das

reformierte quartalsmagazin –

herausgegeben im

auftrag des

reformierten bundes – 3.

jahrgang 2002, nr. 2 –

Juni 2002

Thema: Hauptversammlung des Reformierten Bundes mit Beiträgen von Jörg Schmidt, Peter Bukowski und Hermann Schaefer

Reformierte in Europa Welche Strukturen brauchen die reformierten Kirchen in Europa. Hinweise von Hermann Schaefer

»A Lack of surprise« oder: Es fehlt an Überraschung Ein Bericht von Gesine von Kloeden über die Konsultation des Reformierten Weltbundes mit den Pfingstkirchen

up d@ te 0 2. 2 Aus Psalm 139 nach der Holy Bible. New International Version

Inhalt 2002.2

2 die-reformierten.upd@ te 02. 2

Inhalt Editorial 3 Aktuell 4 ff.

Reformierte in Europa 9 VON HERMANN SCHAEFER

Welche Strukturen brauchen die reformierten Kirchen?, fragt H. Schaefer und unter-sucht kritisch, welche Aufgaben der Europäische Gebietsausschuss des Reformierten Weltbundes wahrgenommen hat bzw. wahrnehmen kann. »A Lack of surprise« – oder: Es fehlt an Überraschung 11 von GESINE VON KLOEDEN

Welche »Rolle« der Heilige Geist im Gottesdienst spielt (so weit die verschiedenen theologischen Traditionen darüber Auskunft geben), das und anderes war Thema der Konsultationen zwischen dem Reformierten Weltbund und den Pfingstkirchen, von denen G. von Kloeden berichtet.

Thema: Hauptversammlung des Reformierten Bundes in Nürnberg mit Berichten und Dokumenten von JÖRG SCHMIDT, PETER BUKOWSKI und HERMANN SCHAEFER 17

unter anderem mit den Berichten, die Moderator (P. Bukowski) und Generalsekretär (H. Schaefer) der Hauptversammlung über die Arbeit des Moderamens und in der Geschäftsstelle erstatten.

Impressum 46

Psalm 139 47

Siehaben warten müssen auf diese Ausgabe

von »die reformierten.upd@te«. Das hat sei-nen Grund: Mitte Juni fand in Nürnberg, wie Sie wissen, die Hauptversammlung des Refor-mierten Bundes statt. Und angesichts der Al-ternative, zur Hauptversammlung eine Aus-gabe zu erstellen oder danach (mit den ersten Berichten und Dokumenten der Tagung) habe ich mich dafür entschieden, so aktuell wie möglich von Nürnberg zu berichten. So liegt Ihnen also jetzt ein – zudem erweitertes – Heft vor, das ganz im Zeichen dessen steht, was die in Nürnberg Versammelten gehört, geredet und entschieden haben. Und mit dem Thema »Bilderverbot« gab es viel zu hören und zu bedenken. (Davon wird beizeiten der Dokumentations-band der Hauptversammlung zeugen [refor-mierte akzente 6], der die verschiedenen Vor-träge usf. beinhalten wird: die Predigt von D. Krabbe im Eröffnungsgottesdienst; die beiden Vorträge von M. Weinrich und M. Josuttis sowie die Bibelarbeit von M.-Th. Wacker. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Hauptversammlung werden den Band zuge-stellt bekommen. Andere Interessierte können ihn über den foedus-verlag [oder eine Buch-handlung] bestellen.) In dieser Ausgabe von »die reformierten ...« finden Sie einen ersten Bericht sowie die Do-kumentation der Berichte, die Moderator wie

Generalsekretär der Haupt-versammlung vorgelegt und vorgetragen haben. Das Protokoll und eine Doku-mentation aller Beschlüsse wird der nächsten Ausgabe von »die reformierten ...« beiliegen. Apropos beiliegen: Diesem Heft liegt einmal bei ein Werbeprospekt von »zeitzeichen« und zum anderen vom foedus-verlag. Beide Berei-che waren und sind wichtig für die Publika-tionen aus dem Reformierten Bund. Wir bit-ten deshalb um Beachtung. Und ein Hinweis in eigener Sache zuletzt: Bitte teilen Sie uns mit, wenn sich Adressän-derungen ergeben. Nicht nur für die Zustel-lung dieses reformierten Quartalmagazins sind wir darauf angewiesen, möglichst ak-tuelle Daten zu erhalten. Auch für den »Ver-ein« Reformierter Bund ist es wichtig zu er-fahren, wohin seine Mitglieder verzogen sind (falls sie denn verziehen).

Ansonsten bleibt mir nur, Ihnen einen guten Sommer zu wünschen. Und viel anregende Lektüre mit dem Material der Hauptversamm-lung.

Ihr Jörg Schmidt

Hauptversammlung des Reformierten Bundes Editorial

die-reformierten.upd@ te 02. 2 3

Liebe Leserin, lieber Leser, Mit dem Thema »Bilderverbot« gab es bei der Haupt-versammlung in Nürnberg viel zu hören und zu bedenken.

EKD-Delegation besuchte

Partnerkirchen in Ungarn

Der Beitritt Ungarns zur Europäischen Union (EU) und die Rolle der Kirchen in Ungarn und Europa waren Themen einer Unterredung zwischen dem neuen ungarischen Premierminister Péter Medgyessy und einer Delegation der Evangelischen Kirche in Deutsch-land

(EKD) am 20. Juni in Budapest. In dem einstündigen Gespräch mit der durch den EKD-Ratsvorsitzenden Präses Manfred Kock geleiteten Delegation unterstrich Medgyessy, dass er die EU als eine Wertegemeinschaft verstehe, in der den Kirchen eine wichtige Rolle zukomme. Er bat den Ratsvorsitzenden, in der deutschen Öffentlichkeit den un-garischen EU-Beitritt zu unterstützen. Ferner betonte er, dass die Beziehung zu den Kirchen für die neue ungarische Regierung von großer Bedeutung sei und erklärte in Gegenwart der Bischöfe Gusztav Bölcskei (Reformierte Kirche in Ungarn) und Imre Szebik (Evangelisch-Lutherische Kirche in Ungarn) seine Bereitschaft zu einer konstruktiven Zusammenarbeit. Die Besucher aus der EKD hielten sich auf Einladung der bei-den evangelischen Partnerkirchen vom 16. bis 20.Juni in Ungarn auf, um die gegenseitigen Beziehungen zu stärken. So wurde am 16. Juni in der Deutsch-sprachigen Reformierten Kirche in Budapest eine »Gemeinsame Erklärung« über die Mitwirkung der EKD im »Pro-testantischen Forum«, einer Bildungs-einrichtung für Themen aus Kirche und Gesellschaft, unterzeichnet. Wie sich die starke Verbundenheit evangelisch-reformierter Christen in Ungarn mit ihrer Kirche in Notlagen bewährt, sahen die Besucher im Über-schwemmungsgebiet der Theiß in der Nähe von Debrecen. Dort hatte im ver-gangenen Jahr ein Hochwasser katas-trophale Schäden verursacht. Der Wiederaufbau sei in erstaunlich kurzer Zeit mit viel Eigenleistung, aber auch mit staatlicher Unterstützung durch-geführt worden, berichtete G. Noltens-meier, der Landessuperintendent der

sur an der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen – Mitglied des Landeskirchentages der Evangelisch-reformierten Kirche und im Modera-men des Reformierten Bundes. Er hat in diesen Funktionen Leben und Lehre der reformierten Gemeinden und Kir-chen entscheidend geprägt. Mehr als 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren der Einladung der Evangelisch-reformierten Kirche gefolgt. Viele Teil-nehmerinnen und Teilnehmer des Sym-posions hatten bei Otto Weber studiert oder promoviert. Im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung standen drei Vorträge, die sich mit dem Einfluss pie-tistisch- erwecklicher Theologie auf Otto Weber, mit seiner Stellung in der Zeit des Nationalsozialismus und Otto Webers Ekklesiologie beschäftigten. Das Otto Weber Symposion endete mit einem Gottesdienst in der Neuen Kir-che der Evangelisch-reformierten Ge-meinde Emden, in dem Landessuperin-tendent Walter Herrenbrück, Leer, die Predigt hielt.

ERK

Wege und Horizonte „Wege und Horizonte„ heißt der Ent-wurf für ein Leitbild der Lippischen

Landeskirche, den die Synode als

oberstes Leitungsgremium jetzt zur Diskussion in die Kirchengemeinden geben wird. Eine Projektgruppe hatte den Text seit Januar erarbeitet. Er ist Bestandteil des Leitbild- und Strukturentwicklungsprozesses, in dem sich die Lippische Landeskirche zur Zeit befindet. Sie wird dabei von einer Biele-felder Beratungsfirma moderiert. Der Entwurf ist in drei Teile gegliedert: »Woher wir kommen – unsere Wurzeln; Wer wir sind – unsere Gemeinschaft; Wohin wir gehen – unsere Horizonte„. Das Leitbild versteht sich als »eine Grundlage für Ziele, die wir uns setzen wollen„, wie es im Vorwort heißt. Es soll

Lippischen Landeskirche, der ebenfalls zur EKD-Delegation gehörte. Bischof Dr. Gusztáv Bölcskei konnte seinen Gä-sten viele sanierte Kirchen und Ge-meindezentren zeigen. Ihre Wiederher-stellung wurde in guter Zusammenar-beit zwischen Kirche und Staat ver-wirklicht. Während eines Besuchs des Reformierten Kollegiums in Debrecen wurde deutlich, dass bei Ungarns Pro-testanten »Kirche und akademische Theologie sehr nah beisammen sind«, so Noltensmeier. Debrecen ist das Zen-trum der Reformierten Kirche des Lan-des. Gesprächsthema war auch ihr Ver-hältnis zur Staatsmacht in der Zeit der kommunistischen Diktatur. Dieses Ver-hältnis ist nach Worten Noltensmeiers »bisher nicht betont aufgearbeitet«, aber durchaus Gesprächsthema. Man beschäftige sich mit diesem Fragen-komplex, und »viele in dieser Kirche wünschen sich hier mehr Offenheit.« Zur Delegation der EKD gehörten neben Präses Kock auch Bischof Dr. Hans-Jür-gen Abromeit Abromeit (Pommersche Evangeli-sche Kirche, Greifswald) und Landessu-perintendent Gerrit Noltensmeier, (Lip-pische Landeskirche, Detmold) sowie Oberkirchenrat Reiner Rinne aus dem Kirchenamt der EKD in Hannover und Oberkirchenrat Wilfried Neusel und Landespfarrer Hans-Peter Friedrich aus dem Landeskirchenamt der Evangeli-schen Kirche im Rheinland (Düsseldorf).

ekd / Lippische Landeskirche

Otto Weber-Symposion in in Emden Am 4. Juni wäre Professor Dr. Otto Weber 100 Jahre alt geworden. Aus Anlass dieses Jahrestages wurde am ersten Juni-Wochenende in der Johan-nes a Lasco Bibliothek in Emden an Leben und Werk des reformierten Theologen erinnert; die Evangelisch-reformierte Kirche hatte zu einem ›Otto-Weber-Symposion‹ eingeladen. Otto Weber war – neben seiner Profes-

Aktuell EKD / Ev.-ref. Kirche

4 die-reformierten.upd@ te 02. 2

Zielist außerdem, sich nicht auf den

kirchlichen Binnenraum zu beschrän-ken, sondern auch Begegnung mit denen zu suchen, die sich der Kirche nicht oder kaum verbunden fühlen. Ebenso wird der Anspruch beschrieben, mit deutlich vernehmbarer Stimme für die sozial Benachteiligten einzutreten. Dazu gehört auch, auf die gesellschaft-lichen Wurzeln der Missstände hinzu-weisen und an ihrer Veränderung zu arbeiten.

Lippische Landeskirche

als Standortbestimmung und als Orien-tierungsrahmen für kirchliches Handeln dienen. Die Synode hat den Text auf ihrer Frühjahrstagung von 26. bis 28. Mai noch nicht grundsätzlich inhaltlich diskutiert. Dies ist im November vorge-sehen, nachdem das Leitbild in den Kir-chenvorständen, Pfarrkonventen und Kreissynoden beraten wurde. Im rückblickenden Teil wird die volks-kirchliche Tradition und Struktur be-schrieben als »wertvolles Erbe, das wir sorgsam pflegen.„ In vielen Gemeinden sei die Kirche mitten im Dorf – »nicht nur als Gebäude, sondern auch in allen Bereichen des öffentlichen und priva-ten Lebens.„ Einen besonderen Rang nimmt im zweiten Teil der Gottesdienst ein. »So unterschiedlich wie die Men-schen in den Gemeinden, so vielfältig sind die Gestaltung der Gottesdienste und die gelebte Frömmigkeit„, heißt es in dem Text. Die Liebe Gottes, die über

Grenzen hinaus führt, wird im Blick auf ökumenische Beziehungen und den Di-alog mit anderen Religionen angespro-chen. Weitere Kernsätze halten den Anspruch fest, den Menschen Hilfe und Halt, Trost und Beistand, Orientierung und Heimat zu geben. Im dritten Teil heißt es: »Wir gehen in eine Zukunft, in der wir uns der Vielfalt der Glaubens-und Lebensformen stellen.„ Aktuelle Veränderungen werden als Chance und Herausforderung beschrieben: »Wir sind bereit, uns auf Neues einzulassen. Was lange selbstverständlich war, darf überprüft werden.„ Kirchen als Räume der Stille und zum Innehalten im Alltag sollen, so das Ziel, nicht nur sonntags zugänglich sein. Und weiter: »Gemein-den unterschiedlicher Prägung über-winden lähmende Konkurrenz und Ri-valität. Sie kooperieren. Sie bündeln ihre Kräfte, indem sie stellvertretend Aufgaben füreinander übernehmen.„

Lippische Landeskirche Aktuell

die-reformierten.upd@ te 02. 2 5

So machen es die anderen ... Die Werbekampagne der EKD hatte dru 02.01 kritisch kommentiert. Wie es mit der Kirchenwerbung auch geht, zeigt ein Blick in die Schweiz. Die dortige reformierte Kirche hat ebenfalls vor einiger Zeit eine Werbekampagne gestartet: „Selber denken. Die Reformierten.“ Ein Beispiel der vier Plakatmotive findet sich auf dieser Seite, ein weiteres auf S. 11. Nähere Informatio-nen bietet das Internet: www.ref.ch /selberdenken. Viel Spaß beim „Selber Denken“.

OrthodoxeMitarbeit

im ÖRK

Am Ende ihrer vierten und abschließen-den Plenartagung vom 27. Mai bis 2. Juni in Järvenpää, Finnland, gab die »Sonderkommission zur orthodoxen Mitarbeit im Ökumenischen Rat der Kir-chen« (ÖRK) folgendes Kommuniqué heraus:

Die »Sonderkommission zur orthodoxen Mitarbeit im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK)«, die zu ihrer vierten Ple-nartagung vom 27. Mai von 2. Juni 2002 auf Einladung der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands und der Orthodoxen Kirche von Finnland in Jär-venpää, Diözese Helsinki, Finnland, zu-sammengekommen war, hat ihr Man-dat erfüllt. Ergebnisse und Empfehlun-gen, die während der dreijährigen Tä-tigkeit der Kommission erarbeitet wor-den sind, werden in einem Abschluss-bericht, dem sogenannten »Helsinki-Bericht«, zusammengefasst. Die Kom-mission wird ihre Arbeitsergebnisse dem ÖRK-Zentralausschuss vorlegen, der in diesem Jahr vom 26. August bis zum 3. September in Genf, Schweiz, tagen und über die Empfehlungen be-raten wird. Die Kommission ist paritätisch mit Ver-treterinnen und Vertretern der Öst-lichen und der Orientalischen orthodo-xen Kirchen sowie mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Mitgliedskir-chen des ÖRK besetzt und vom ÖRK-Zentralausschuss eingesetzt worden. Ihre beiden Vorsitzenden waren Metro-polit H. E. Chrysostomos von Ephesus (Ökumenisches Patriarchat von Kon-stantinopel) und Bischof Rolf Koppe (Evangelische Kirche in Deutschland, EKD). Gemäß ihrem Mandat unterbreitete die Kommission »Vorschläge zu den not-wendigen Veränderungen in Struktur, Stil und Ethos des Rates« und befasste sich dabei vor allem mit ekklesiologi-schen Fragen; Prozessen der Entschei-dungsfindung; gemeinsamen Andach-ten; sozialen und ethischen Fragen Fra-

gen im Zusammenhang mit der Mit-gliedschaft. Dem »Helsinki-Bericht« sind drei Anhänge beigefügt, die weitere In-formationen und Empfehlungen zu den Prozessen der Entscheidungsfindung im Konsensverfahren, zu gemeinsamen An-dachten bei ÖRK-Versammlungen sowie zur Arbeit der vom ÖRK-Exekutivaus-schuss eingesetzten eingesetzten Studiengruppe für Fragen der Mitgliedschaft enthalten. „Ekklesiologische Fragen werden von allen von der Sonderkommission be-handelten Themen - sozialen und ethi-schen Fragen, die gemeinsame Andacht bei ÖRK-Versammlungen, Fragen der Mitgliedschaft und Vertretung und dem Verfahren gemeinsamer Entscheidungs-findung - berührt«, heben die Mitglie-der

der Kommission in ihrem Ab-schlussbericht hervor. Um diesen Themen in den Leitungsgre-mien des ÖRK vorrangige Aufmerksam-keit zu verschaffen, empfiehlt die Kom-mission die Einsetzung eines Ständigen Ausschusses zur orthodoxen Mitarbeit im ÖRK, der mit 14 Mitgliedern, zur Hälfte mit Orthodoxen, besetzt werden soll.

Es wird vorgeschlagen, dass der Ständi-ge Ausschuss mit folgenden Aufgaben betraut werden soll: 1) weitere Wahrnehmung der Ermäch-tigung, Fortsetzung des Mandats, Weiterarbeit an den Anliegen und Bei-behaltung der Dynamik der Sonder-kommission;

2) im Interesse der Konsensfindung Be-ratung des ÖRK bei den Themen, die vom ÖRK aufgegriffen werden sollen; 3) Beachtung von Fragen der Ekklesio-logie.

Der »Helsinki-Bericht« empfiehlt, den derzeitigen Lenkungsausschuss der Sonderkommission zu beauftragen, diese Funktion bis zur nächsten Voll-versammlung des ÖRK wahrzunehmen.

Die Kommission schlägt das Konsens-verfahren für die Entscheidungsfindung vor, um »zu gewährleisten, dass alle Mitglieder bei den verschiedenen Zu-sammenkünften mitarbeiten können«, »die Rechte aller Kirchen, insbesondere derjenigen, die eine Minderheitsmei-nung vertreten, zu wahren«, und »mehr Kooperation und Einvernehmen bei der Entscheidungsfindung herzustellen.«

Aktuell Ökumenischer Rat

6 die-reformierten.upd@ te 02. 2

Von links: Bischof Voitto Huotari , Finland; H.E. Metropolitan Chrysostomos von Ephesus, Ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel (Griechenland]; Bischof Dr Rolf Koppe, Deutschland; H.E. Metropolitan Ambrosius von Helsinki, Finnland. Foto: Henna Aaltonen / WCC

DieKommission gibt ferner ihrer Hoff-nung

Ausdruck, dass »das Konsensver-fahren bei der Entscheidungsfindung das gegenseitige Vertrauen vertiefen und es damit allen leichter machen wird, sich ohne Vorbehalte an der De-batte über alle drängenden ethischen und sozialen Probleme zu beteiligen. Einerseits bekräftigt die Kommission die Funktion des ÖRK als »notwendiges und hilfreiches Instrument zur Behand-lung sozialer und ethischer Fragen«, er-innert aber zugleich den ÖRK daran, dass »die Beschäftigung mit sozialen und ethischen Problemen, die zur ge-meinsamen Beratung vorgeschlagen wurden, auch ständig beobachtet wer-den muss.« Im Verlauf seiner dreijährigen Arbeit hat die Kommission stets die Notwen-digkeit sorgfältiger theologischer und praktischer Leitlinien für die gemeinsa-me Andacht bei ÖRK-Versammlungen hervorgehoben, hervorgehoben, um größere »Sensibi-lität dafür zu wecken, ob wir einander möglicherweise unbewusst verletzen«, und diejenigen, die die gemeinsame Andacht planen, besser auf sensible Bereiche vorzubereiten. In einem An-hang zum Abschlussbericht gibt die Sonderkommission nunmehr einen Rahmen für die gemeinsame Andacht bei ÖRK-Versammlungen vor, nach dem zwischen »konfessionellen« und »inter-konfessionellen« gemeinsamen Feiern unterschieden wird. Die Sonderkommission empfiehlt, der Zentralausschuss möge den Kirchen, die künftig Beziehungen zum ÖRK auf-nehmen wollen, zwei Alternativen an-bieten:

1) der Gemeinschaft des ÖRK als Mit-gliedskirchen anzugehören, oder 2) assoziierte Kirchen des ÖRK zu wer-den.

Die Mitglieder der Kommission nahmen am Donnerstag, 30. Mai, an einer Ves-perfeier in der Lutherischen Kathedrale in Helsinki und am Sonntag, 2. Juni, an der Göttlichen Liturgie in der Orthodo-xen Kathedrale in Helsinki teil. Beide finnischen ÖRK- Mitgliedskirchen haben wiederholt hervorgehoben, wie sehr die ökumenische Gemeinschaft

zwischen ihnen gewachsen sei. Der Lu-therische Erzbischof Jukka Paarma hieß die Kommissionsmitglieder bei einem Empfang willkommen. H.E. Metropolit Chrysostomos von Ephesus sprach der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finn-lands seinen tiefempfundenen Dank für die großzügige Gastfreundschaft aus.

Ökumenischer Rat / Reformierter Bund Aktuell

die-reformierten.upd@ te 02. 2 7

Reformierter Bund: Endlich auch im »Netz«

»Die anderen« sind es alle schon, zum Teil schon seit Längerem: im »Netz«. Was bis vor einigen Jahren eher Fra-gen hervorgerufen hätte, ist heute den Meisten nichts Unverständliches mehr: »im Netz sein«. Fast legendär die Wer-bung mit Boris Becker: »Ich bin drin«. Das könnten die Mitarbeitenden und die Mitglieder des Reformierten Bun-des jetzt auch sagen: »Wir sind drin«. Zur Hauptversammlung ist die Inter-netseite des Bundes endlich fertig geworden. Erstellt wurde sie von Mit-

arbeitern des Projektes »reformiert-online«. Und aussehen tut sie, wie der »Screenshot« – so sagen die, die Be-scheid wissen – zeigt: eine bewusst einfache, aber eben doch gestaltete Seite, die durch die Schlichtheit sich wohltuend von den bunten Seiten der unzähligen Anbieter im Netz abheben soll. Schauen Sie sich das Angebot des Bundes an. Es ist zwar noch im Aufbau begriffen, aber es lohnt schon. Im übrigen handelt es sich bei den vier Herren, die sich auf der Startseite fin-den, um Calvin, Zwingli, Farel und Bucer. Und nun viel Spaß beim Entdecken.

Vor allem dankte er Bischof Voitto Hu-otari und dem Metropoliten Ambrosius von Helsinki für die Einladung nach Finnland und für die hervorragende Vorbereitung und Koordination.

ÖRK

Startseite des Internet-Auftritts des Reformierten Bundes

Richtigstellung

Schon im August vergangenen Jahres hatte die Kirchenleitung des Distriktes Oradea in Rumänien auf einen Kom-mentar von Hermann Schaefer mit einer Richtigstellung geantwortet. Durch einige Missverständnisse, die die Redaktion zu verantworten hat, ist diese Reaktion nicht gedruckt worden. Das holen wir jetzt nach, verbunden mit dem Ausdruck des Bedauerns.

Großwardein/Oradea, am am 25. August 2001

Mit Überraschung haben wir den Kom-mentar von Pfarrer D. Hermann Schae-fer, Generalskretär des Reformierten Bundes, betreffend Siebenbürgen in der Zeitschrift die reformierten.upd@te (Juni 2001, Konfliktträchtige Verhand-lungen mit reformierten Kirchen in Kroatien und Siebenbürgen) gelesen. Nach Meinung unserer Delegation, die an der vom Reformierten Bund in Klau-senburg durchgeführten Rumänien-Konsultation teilgenommen hat, gibt der Bericht von Hermann Schaefer ein falsches Bild über das Leben unseres Kirchendistriktes. Wir bedauern das Vorgehen von Generalsekretär Schaefer; es wäre unseres Erachtens viel vernünftiger gewesen, seine Beobachtungen hin-sichtlich der Konsultation vorher mit uns zu besprechen.

Wir möchten für die Leser von die re-formierten. upd@te deshalb richtig stellen: Bischof László Tökés hat in der Vorkon-ferenz die Verteilungspraxis der Evan-gelischen Partnerhilfe nicht angegrif-fen,

und er hat nicht behauptet, dass

der Kontaktmann für die reformierten Kirchen, D. Hermann Schaefer, für den Rückgang der Spenden verantwortlich ist. Bischof Tökés hat lediglich die sachdienlichen Fragen wiederholt, die der Kirchenrat des Kirchendistriktes

Oradea bezüglich der drastischen Ver-minderung der Spenden im Jahr 2000 gestellt hat. Seit Dezember 2000 haben wir uns durch Briefe an unseren Kontaktmann Hermann Schaefer gewandt, um die Ursachen der Spendenverminderung zu klären; aber wir haben von ihm keine endgültige, klar stellende Antwort auf unsere Fragen erhalten. Er kann also nicht behaupten, dass unsere – even-tuell fehlerhaften – Angaben für das Jahr 1999 für die Kürzung der jähr-lichen Spenden von der Evangelischen Partnerhilfe im Jahr 2000 verantwort-lich ist.

Ebenfalls hat Bischof Tökés nicht erst

bei der Eröffnung gegen die Anwesen-heit der zwei Pfarrer Einwand erhoben, die Generalsekretär Schaefer eingela-den hat. Entsprechend der Aufforderung des Ge-neralsekretärs hatte unser Amt recht-zeitig die Mitglieder unserer Delegation für die Konsultation ernannt und ihm mitgeteilt. Als wir den Programment-wurf und die Teilnehmerliste erhielten, hat Bischof Tökés im Brief gegen das Verfahren des Generalsekretärs prote-stiert, selbständig zwei »Experten« ein-zuladen. Unserer Meinung verstößt das gegen die internationale Praxis des kirchlichen Vertretungsprinzip. Und wir verstehen die Einladung der zwei sog. »Experten« als Eingriff in die inneren Angelegenheiten unseres Kirchendi-striktes.

Beide von Generalsekretär Schaefer Eingeladenen sind im übrigen zwi-schenzeitlich wegen ernster Diszipli-narvergehen durch den Kirchenrat und die Generalversammlung des Kirchen-distriktes verurteilt worden.

Außerdem stellen wir fest: Anders als es der im Schlussteil des Berichtes von Generalsekretär Schaefer zitierte ano-nyme »auswärtige Begleiter« behauptet hat, arbeiten die zwei reformierten Di-strikte in Rumänien in der letzten Zei-ten zielbewusst an einer immer engerer Beziehung. Hermann Schaefer hat geschrieben:

»Mit nicht geringerer Sorge betrachtet er (d.i.: der oben erwähnte auswärtige Begleiter) die Entscheidung des Euro-päischen Gebietsausschusses des Reformierten Weltbundes, die nächste Versammlung auf Einladung von Bischof Tökés im nächsten Jahr nach Großwardein/Oradea einzuladen. Nicht nur die breite Opposition in der Pfar-rerschaft befürchtet, dass der Bischof diese europäische Tagung nicht nur zu seiner Selbstdarstellung, sondern auch zur Disziplinierung seiner ›Gegner‹ nut-zen wird.« Wir finden es vollkommen unverständ-lich, dass ein verantwortlich denkender Christ solche Gedanken formuliert; und andererseits sind wir bestürzt darüber, dass Generalsekretär Schaefer solchen, mit böser Absicht formulierten und un-wahren Informationen Glauben schenkt und sie veröffentlicht.

Mihály Lugosi János Antal Berater ÖKR

Aktuell Richtigstellung

8 die-reformierten.upd@ te 02. 2

Vom18. bis 23. August diesen Jahres findet in

Großwardein/Oradea in Rumänien die Euro-päische Gebietsversammlung des Reformier-ten Weltbundes (RWB) statt, zu der Delegierte von 40 Mitgliedskirchen eingeladen sind. Jede dieser Kirchen – die Reformierte Kirche aus Polen mit ca. 4.000 oder die Reformierte Kir-che aus Ungarn mit ca. zwei Millionen Mit-gliedern – kann allerdings lediglich zwei De-legierte entsenden, gegebenenfalls eine weite-re Person als Berater oder Beraterin. An der letzten Gebietsversammlung – 1987 in Edin-burgh / Schottland – hatten über 200 Dele-gierte teilgenommen, gestaffelt nach der zah-lenmäßigen Größe der Mitgliedskirche (vom Reformierten Bund waren damals sechs Perso-nen entsandt worden). Der (von der Gebiets-versammlung gewählte) Europäische Gebiets-ausschuss hat sich zu dieser Ausnahmerege-lung entschlossen, nachdem in den letzten Jahren zunehmend die Arbeitsweise und die Struktur des Europäischen Gebietes in Frage gestellt worden sind. In Europa sind in den letzten Jahren – insbe-sondere nach dem Umbruch von 1989 – ver-schiedene regionale und gesamteuropäische Netzwerke auf- oder ausgebaut worden, die sich vielfach kaum mehr ergänzen, sondern überschneiden. So sind die europäischen Mit-gliedskirchen des RWB zugleich Mitgliedskir-chen der 1973 ins Leben gerufenen Leuenber-ger Kirchengemeinschaft und der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK). Zudem gehören viele reformierte Kirchen nationalen oder übernationalen Gliederungen an – wie etwa die meisten Mitgliedskirchen des Reformier-ten Bundes der Evangelischen Kirche der Uni-on bzw. der Arnoldshainer Konferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) –, die wiederum in eigener Regie oder gemein-sam, ihre Interessen im europäischen Kontext vertreten. In diesem komplizierten Geflecht konnte der Europäische Gebietsausschuss – bei der gerin-gen personellen und finanziellen Ausstattung als regionale Gliederung des RWB – kaum

eine eigenständige Rolle etwa als europäische Vertretung der reformierten Kirchen spielen oder auch nur die Aufgabe wahrnehmen, die Aktivitäten der Mitgliedskirchen mit denen der Leuenberger Kirchengemeinschaft oder der KEK zu verzahnen oder auch nur mit denen des RWB. Und wenn der Gebietsaus-schuss auf Anfragen einzelner Mitgliedkir-chen aktiv geworden ist – und z.B. Delegatio-nen in osteuropäische Krisenregionen ent-sandt hat – geschah das ohne Verbindung mit bestehenden regionalen Kooperationsnetzen und war daher auch wenig effektiv. Auch die Durchführung thematischer Tagungen war nicht abgestimmt mit anderen Angeboten zum gleichen Thema von Mitgliedskirchen des Europäischen Gebietes oder der Konferenz Europäischer Kirchen – und daher politisch und kirchenpolitisch kaum von Belang. Im Zusammenhang mit der Vollversammlung der Leuenberger Kirchengemeinschaft im Juni 2001 in Belfast ist von verschiedenen refor-mierten Kirchen – so von Vertretern des Schweizer Evangelischen Kirchenbundes (SEK), der »Samen-op-weg-Kerken« (SOW-Kirchen) aus den Niederlanden und der Mit-gliedskirchen des Reformierten Bundes in Deutschland – signalisiert worden, dass sie im europäischen Kontext dem Leuenberg-Pro-zess Priorität Priorität einräumen und dementspre-chend das Engagement in anderen parallelen Zusammenschlüssen reduzieren wollen. Das Moderamen des Reformierten Bundes hatte die kritischen Anfragen bereits Anfang letz-ten Jahres mit den Mitgliedern des Europäi-schen Gebietsausschusses aus Deutschland diskutiert und mit ihnen verschiedene Verab-redungen getroffen, um die strukturellen De-fizite im Hinblick auf die Kooperation zwi-schen dem Europäischen Gebietsausschuss, dem Reformierten Weltbund und dem Refor-mierten Bund zu beheben. Nach der Verschär-fung kritischer Anfragen gegenüber Rolle und Funktion des Europäischen Gebietsausschus-ses nach der Vollversammlung der Leuenber-ger Kirchengemeinschaft in Belfast hatte das

Europäischer Gebietsausschuss Reformierter Bund

die-reformierten.upd@ te 02. 2 9

Welche Struktu-ren brauchen die reformierten Kirchen, um ihren Beitrag zur Profilierung des europäischen Protestantismus leisten zu können? Was wie eine rhetorische Frage sich liest – schließlich gibt es ja den Europäischen Gebietsaus-schuss des Reformierten Weltbundes – ist so einfach nicht, wie H. Schaefer zeigt. Eine Über-arbeitung der Koordinierungs-strukturen ist angesichts der politischen und kirchlichen Entwicklungen in Europa unumgänglich.

Reformierte in Europa Welche Strukturen brauchen die reformierten Kirchen? VON HERMANN SCHAEFER

Moderamenzu einer weiteren Gesprächsrun-de

nach Wuppertal eingeladen, um mit den Mitgliedern des Europäischen Gebietsaus-schusses Möglichkeiten einer grundlegenden Veränderung seiner Struktur auszuloten. In der Auswertung der Gespräche hat das Mo-deramen des Reformierten Bundes ein Kon-zept der Neugestaltung erarbeitet, das umge-hend mit möglichst vielen Partnerkirchen di-skutiert und dann in Oradea zur Abstimmung gestellt werden soll. Dieses Konzept basiert einmal auf dem Urteil, dass der Europäische Gebietsausschuss in seiner derzeitigen Struk-tur für die Koordinierung der Aktivitäten der Mitgliedskirchen des Reformierten Weltbun-des im europäischen Kontext nicht hilfreich ist, und zum anderen auf der Absicht, der Leuenberger Kirchengemeinschaft Vorrang einzuräumen. Danach sind – nach der Über-zeugung des Moderamens – folgende Funk-tionen bzw. Serviceleistungen für die refor-mierten Kirchen in Europa nach wie vor wichtig oder unverzichtbar: – Die Erarbeitung qualifizierter theologischer Beiträge (Reformierte Theologie) müsste im reformierten Bereich anregt, miteinander ab-stimmt und in die Diskussionsprozesse der Leuenberger Kirchengemeinschaft, der Konfe-renz Europäischer Kirchen und auch in die theologische Dialogarbeit des RWB einge-bracht werden. – Die Anfragen aus reformierten Kirchen in Europa müssten aufgenommen und sachge-mäß bearbeitet werden können – u.a. durch Beratung, Begleitung und koordinierte Hilfen. – Die Impulse aus der Arbeit des RWB müss-ten in die europäischen Mitgliedskirchen ver-mittelt werden, die Anstöße aus den europäi-schen reformierten Kirchen ebenso für die Ar-beit des RWB fruchtbar gemacht werden.

Für die Wahrnehmung dieser Funktionen würde folgende Struktur ausreichen: – Um Anfragen aus den reformierten Kirchen in Europa sachgemäß aufnehmen und gezielt helfen zu können, ist kein ständiger Gebiets-ausschuss notwendig, sondern eine Koordi-nierungsstelle, die beim RWB in Genf ange-siedelt werden sollte. Ein Koordinator / eine Koordinatorin hätte die Aufgabe, die in ver-schiedenen reformierten Kirchen oder deren Einrichtungen arbeitenden Fachleute und Multiplikatoren anzusprechen und Hilfen zur Finanzierung von Projekten sowie zur Kon-

fliktlösung über die vielfältig vorhandenen regionalen Strukturen zu vermitteln. – Ein Koordinator / eine Koordinatorin hätte darüber hinaus die Aufgabe, die Arbeit des RWB in die Mitgliedskirchen und umgekehrt Anstöße aus dem europäischen Kontext in den RWB zu vermitteln. Insbesondere sollte er/sie die die kleinen Mitgliedskirchen – etwa durch die Organisation von Konsultationen – in die Ar-beit einbeziehen. – Für die Erarbeitung qualifizierter theologi-scher Beiträge ist eine theologische Task Force einzurichten, in die z.B. Mitglieder des derzei-tigen Theologischen Ausschusses des Europä-ischen Gebiets berufen werden könnten. Diese theologische Task Force müsste nicht in einen ständigen Gebietsausschuss eingebunden sein, sondern könnte von den Delegierten der reformierten Kirchen, etwa der Leuenberger Kirchengemeinschaft – jeweils vor den Voll-versammlungen, oder des RWB – jeweils im Zusammenhang mit dessen Generalversamm-lung, berufen und beauftragt werden. Die Durchführung einer eigenen Gebietsver-sammlung ist dann überflüssig. In ersten Kontakten mit Partnerkirchen ist das Anliegen insgesamt sehr positiv aufge-nommen worden; lediglich zu einzelnen kon-kreten Vorschlägen sind kritische Rückfragen gestellt worden – ob z.B. eine Koordinie-rungsstelle nicht besser bei der Johannes a Lasco Bibliothek in Emden angesiedelt wer-den sollte, die ja das gesamte Informations-netz für den RWB, die Mitgliedskirchen und die Leuenberger Kirchengemeinschaft be-treut, statt beim Stab des RWB in Genf, vom dem eine einzelne Person zu leicht für ande-re Aufgaben eingesetzt werden könnte. Ob allerdings auf der Gebietsversammlung im August in Großwardein/Oradea eine Mehr-heit für das Vorhaben zu gewinnen ist, er-scheint völlig offen. Insbesondere die kleinen Kirchen werden sich wohl schwerer tun als die großen mit ihren eher zu vielen ökumeni-schen Verpflichtungen, solche guten Kon-taktmöglichkeiten wie eine europäische Ge-bietsversammlung aufzugeben – und sie sind in Oradea mit ihren jeweils zwei Delegierten viel stärker als die zahlenmäßig größeren Kir-chen vertreten! Und welche der größeren und der wenigen finanzkräftigeren Mitgliedskir-chen wird es wagen, gegen das ökumenische Tabu zu verstoßen, und mit der Weigerung zu drohen, solche teuren, ineffizienten Großta-

Reformierter Bund Europäischer Gebietsausschuss

10 die-reformierten.upd@ te 02. 2

Die Impulse aus der Arbeit des RWB müssten in die europäischen Mit-gliedskirchen

vermittelt werden, die Anstöße aus den europäischen reformierten Kirchen ebenso für die Arbeit des RWB fruchtbar gemacht werden.

Eskann

noch eine Zeit dauern, bis ein Beschluss umgesetzt werden kann.

gungen wie die europäische Gebietsver-sammlung weiterhin zu finanzieren? Erst die vorletzte Europäische Gebietsver-sammlung fand in Rumänien statt. Auf die Nachfrage, ob es sinnvoll sei, so bald schon wieder nach Rumänien einzuladen – zumal die gastgebende ungarisch-reformierte Kirche (der westliche Distrikt der reformierten Kirche in Rumänien mit Sitz in Großwardein/Oradea) derzeit derzeit mit massiven innerkirchlichen Proble-men zu kämpfen hat –, wurde darauf verwie-sen, dass keine andere Mitgliedskirche sich bereit gefunden habe, eine Einladung auszu-sprechen. Kann man das anders deuten, als dass jedenfalls von den potenteren Kirchen die Gebietsversammlung nicht als besonders attraktiv eingeschätzt wird? Ein Grund mehr, die Struktur zu überdenken. Aber selbst wenn eine Mehrheit der Delegier-ten in Oradea für die Annahme eines neuen

Konzeptes gewonnen werden könnte, kann es noch eine Zeit dauern, bis ein Beschluss dann umgesetzt werden kann. Das Europäische Ge-biet hat nämlich eine Ordnung, die in »Zu-satzbestimmungen« (Bye-Laws) festgelegt ist, die 1973 von einer Europäischen Gebietsver-sammlung in Amsterdam angenommen wor-den sind (und mit Änderungen vom Exekuti-vausschuss des RWB 1991 und nochmals 1994 genehmigt worden sind). Und eine sat-zungsgemäße Änderung dieser Zusatzbestim-mungen muss nicht nur mit »Stimmenmehr-heit der Delegierten (erfolgen), die an einer Gebietsversammlung teilnehmen«, sondern steht unter dem »Vorbehalt der Zustimmung der Generalversammlung oder des Exekuti-vausschusses des RWB« – und der wird wohl kaum vor der nächsten Generalversammlung des RWB 2004 in Accra/Ghana eine Entschei-dung fällen.

»Welche Erfahrungen mit dem Heiligen Geist machen Sie im Gottesdienst? Und wie wissen Sie, dass eine Erfahrung im Gottesdienst von Gott kommt? 1 Oder haben Sie aufgrund

schlechter Erfahrungen (z.B. geistlose Predig-ten und Langeweile) schon aufgehört, Gottes Geist im Gottesdienst zu erwarten?« Um diese Fragen ging es in der ersten Konsul-tation einer zweiten Dialogrunde zwischen Vertreter/innen der Pfingstkirchen und dem Reformierten Weltbund vom 16.-23. Mai 2002 in Amsterdam. Die gesamte Dialogrunde steht unter dem Thema »Experience in Christian Faith and Life« und endet im Jahr 2006. Vor-angegangen war eine fünfjährige Runde erster Begegnungen zwischen Delegierten des Refor-mierten Weltbundes und leitenden Pfarrern und Professoren aus der Pfingstbewegung. 2

Die Pfingstler sind die weltweit am schnellsten wachsende Bewegung unter Christen. Zu ihnen gehören insbesondere auf der Südhalbkugel der Erde Gemeinden, zu der mehrere zehn-

tausend Mitglieder zählen. Sie führen ihren Glauben auf die Ausgießung des Heiligen Gei-stes in ihren Herzen zurück, durch die sie er-weckt werden und sich bekehren. Sie lassen sich mit dem Heiligen Geist (wieder-)taufen und und mit Gaben nach 1. Kor. 12, 8-10 (»Dem einen einen wird durch den Geist gegeben, von der Weisheit zu reden...«) ausstatten. Während diese Merkmale für alle Pfingstler gelten, ist die Bewegung doch in sich je nach Kontext und Entstehungsalter sehr verschieden: Die »Assemblies of God« in Nordamerika sind z.B. bereits Pfingstler der vierten oder fünften Ge-neration und fast eine etablierte Kirche, die auch in der Politik inzwischen ihren Platz be-hauptet 3 ; Pfingstler in Korea sind ebenfalls

etabliert und haben durch und durch organi-sierte kirchliche Strukturen entwickelt. Ihre Kirchen sind die reichsten der Welt und inve-stieren ihr Vermögen in Fernsehkanäle und andere Medien, die der lokalen und weltweiten Mission dienen (die größte Pfingstgemeinde

Dialog mit den Pfingstkirchen rwb

die-reformierten.upd@ te 02. 2 11

»A Lack of surprise« oder: Es fehlt an Überraschung VON GESINE VON KLOEDEN

»Erfahrungen« mit dem Heiligen Geist? Für Reformierte vielleicht eine ungewöhnliche Aussage. Im Dialog des RWB mit den Pfingstlern eine wichtige und spannende Frage, wie G. von Kloeden aufzeigt.

derWelt, die »Yoido Full Gospel Church« be-findet

sich in Seoul und zählt mehrere hun-derttausend Mitglieder); Pfingstler in Brasilien gebärden sich zumeist »neo-pfingstlerisch«. Sie entstehen in den Slums als Massenbewegung der Armen, suchen (anders als die politisch orientierte Befreiungstheologie) mitten in einer hoffnungslosen Welt nach Erlösung durch die spirituelle Reinwaschung mit Jesu Blut. Sie verbinden einfache Regeln (regelmäßiger Kirchbesuch, Abgabe des Zehnten, sexuelle Enthaltsamkeit) mit mancherlei Magie, um auf diese Weise böse Geister fernzuhalten oder gar auszutreiben. Die Verbindung von pfingstleri-scher Spiritualität und animistischem Geister-glauben findet sich auch in Afrika, wo in eini-gen Gemeinden nach jedem Gottesdienst zur Dämonenaustreibung eingeladen wird. Was hier vereinfacht beschrieben wurde, nimmt in Wirklichkeit allerdings sehr vielfältige Gestalt an. Es ist nicht leicht, in dieser zersplitterten Massenbewegung, Strukturen zu erfassen. Und noch schwieriger ist es, Vertreter und Vertreterinnen zu finden, welche die Pfingst-bewegung autorisiert oder nicht autorisiert repräsentieren und die zugleich bereit für das Gespräch mit anderen Denominationen sind. In unserer Dialogrunde ist es gelungen, Pfingstler und Pfingstlerinnen aus verschie-denen Erdteilen zusammenzubringen. Wie re-präsentativ diese Delegation ist, lässt sich nicht eindeutig bestimmen, denn neopfingst-liche Gemeinden, die sich auf die mündliche Weitergabe des Evangeliums gründen, werden durch ein Dialogpapier wohl kaum erreicht. Allerdings sind die Mitglieder unseres Dialo-ges zu einem Großteil Dozent/innen an ver-schiedenen Seminaren, die von Pfingstlern besucht werden und fungieren somit als Mul-tiplikator/ innen. Es ist zu hoffen, dass über einen längeren Zeitraum hinweg der ökume-nische Dialog für viele Pfingstler nicht fol-genlos bleiben wird. Für die Reformierten mag dies ebenso gelten. Auf Seiten der reformierten Delegation stellt diese zweite Dialogrunde ein Novum dar: Erstmals ist eine Vertreterin des Reformierten Ökumenischen Rates entsandt, um die Zu-sammenarbeit zwischen dem Reformierten Weltbund und den Reformierten Ökumeni-schen Rat zu stärken. 4

Der nachstehende Bericht wird sich aus der Perspektive einer Dialogteilnehmerin auf die

Wiedergabe theologischer Diskussionspunkte während der Konsultation konzentrieren und die spezielle Situation der Pfingstler und der Reformierten in den Niederlanden nur gegen Ende streifen. Diese Gewichtung entspricht dem tatsächlichen Verhältnis von theologi-schen Gesprächen und der Einbeziehung des Kontextes bei diesem Treffen. In Zukunft wird stärker darauf zu achten sein, den jeweiligen Kontext in den Diskussionen sprechen zu las-sen, denn die Tagungsorte werden bewusst in Zusammenhang mit dem jeweiligen Thema von der Vorbereitungsgruppe ausgesucht. Die relativ kurzfristige Verlegung des Tagungsortes von Kapstadt nach Amsterdam verminderte dieses Jahr ein intensiveres Befassen mit der konkreten Situation der Pfingstler und der Re-formierten in den Niederlanden, die im übri-gen einzigartig in Europa sein dürfte (s.u.). Dieses Jahr lautete das konkrete Thema der Tagung: »Worship«. Die Mitglieder stellten sich damit einem spannungsgeladenen The-ma, in dem sich wohl die tiefsten Gräben zwi-schen Pfingstlern und Reformierten auftun -aber auch die Chance, über den Erfahrungs-begriff an die Wurzeln unterschiedlicher Praktizierung der Frömmigkeit zu gelangen. Jede Delegation präsentierte je ein Hauptrefe-rat. Dr. Joseph Small, Direktor der Abteilung »Theology and Worship« der Presbyterian Church of USA hielt ein Referat mit dem Titel »In Spirit and Truth: Experience and Worship in the Reformed Tradition«. Darin nahm er die von Calvin begründeten Ansätze für die Real-präsenz des Geistes in Wort und Sakrament auf und zog die Linien aus für ein zeitgemäßes re-formiertes Gottesdienstverständnis. Er eröffne-te damit Möglichkeiten, den reformierten Got-tesdienst als ein vom Heiligen Geist gewirktes Geschehen ernst zu nehmen und Klischees über eine einseitig intellektuelle Prägung des refor-mierten Gottesdienstes abzubauen. 5 Anderer-seits

betonte er aber auch die Notwendigkeit, alle Erfahrungen (auch das Zungenreden oder Spontanheilungen) an Gottes Wort für die Ge-meinde zu prüfen. Small hob die Priorität des Wortes Gottes bei jeder Erfahrung hervor, die Menschen im Gottesdienst machen. So sei selbst die Antwort des Menschen auf Gottes Zuspruch (durch Glauben, Bekennen, Singen und Beten) von Gott gewirkt und dem Men-schen von Gott gegeben. Sie diene allein der Verherrlichung Gottes, womit jedem Verdacht der Idiolatrie vorgebeugt ist.

12 die-reformierten.upd@ te 02. 2

rwb Dialog mit den Pfingskirchen

Es ist nicht leicht, in der zersplitterten Massenbewegung der Pfingstkirchen Strukturen zu erfassen.

Dr. Jean-Daniel Plüss (Schweiz), Vorsitzender

der European Pentecostal Charismatic Rese-arch Association hielt einen eher phänome-nologisch orientierten Vortrag über »Religious Experience in Worship: A Pentecostal Per-spective«, in dem er die Funktion religiöser Erfahrung im Gottesdienst wiedergab. Diese Funktionen nannte er »Einheit«, »Verschie-denheit« und »Versöhnung«. Einen Schwer-punkt seiner Auslegung legte Plüss auf die Interpretation des Zeugnisablegens als ein Geschehen, durch das der Vielfalt in Gottes Gemeinde Ausdruck verliehen werde. In der anschließenden Diskussion stellte sich allerdings auch ein Zusammenhang zwischen der Funktion des Zeugnisablegens im pfingst-lerischen und die einende Funktion des Glau-bensbekenntnisses im reformierten Gottes-dienst heraus. Beide verstehen sich als Ant-worten auf das Wirken des Geistes in der Ge-meinde. Beide sind individuelle Sprechakte des Glaubens, die jedoch in der »Gemein-schaft der Heiligen« Ausdruck finden. Beide zielen auf Versöhnung und Gemeinschaft der Menschen mit Gott, mit sich selbst und mit der Christenheit weltweit. Reformierte fragen die Pfingstler jedoch nach der Überprüfbarkeit eines individuellen Glau-benszeugnisses: Woher weiß einer, dass seine Glaubenserfahrung echt ist, wenn sie ein ein-maliges persönliches Zeugnis ist, das nicht von der Gemeinschaft der Gläubigen geteilt wird? Pfingstler fragen Reformierte im Gegenzug, ob denn ihr persönlich gesprochenes Glaubensbe-kenntnis nicht nur ein mechanisches »Nach-plappern« alter Traditionen sei. Die beiden kri-tischen Anfragen haben ihre Berechtigung, wo das persönliche oder gemeinsame Glaubensbe-kenntnis missbraucht wird. Sie karikieren je-doch die jeweils andere Seite klischeemäßig, wo der Glaube des Einzelnen allein oder mit anderen wahrhaft ausgesprochen wird. Denn auch ein gemeinsam gesprochenes altes Be-kenntnis kann ein tiefes persönliches Glau-benszeugnis sein; und auch ein individuelles Zeugnis kann mechanisch werden und sich in typischen Floskeln artikulieren. Pfingstler fragen Reformierte, ob sie nicht zu wenig im Gebet erwarten. Reformierte hätten »a lack of surprise that God can be present« 6 .

Dagegen seien Pfingstler wenig überrascht, wenn Gebete erhört, Kranke geheilt und im Gebet geäußerte Wünsche im Gottesdienst er-füllt werden. Sie fragen die Reformierten, wo

denn in ihren Gottesdiensten Raum dafür sei, und ob Reformierte nicht oftmals zu klein-gläubig seien. Hinter diesen Fragen stehen tiefer gehende, die hier genannt werden sol-len, ohne dass sie auf der Konsultation um-fassend beantwortet wurden: – Wer weckt in uns Erwartungen: sind es un-sere eigenen Wünsche oder ist es Gott, der uns unsere Erwartungen erst wahrnehmen lässt? – Wie empfänglich sind wir für Erfahrungen? Und wann machen wir eigentlich eine »Erfah-rung«? Diese geradezu philosophische Frage lässt den Zusammenhang zwischen »Erfah-die-

reformierten.upd@ te 02. 2 13

Dialog mit den Pfingstkirchen rwb

rungen«und der »Wahrnehmung von Erfah-rung«

anklingen 7 : Steuern nicht Erfahrungen

ihre eigene Wahrnehmungsweise? – Inwieweit wecken Wahrnehmungsweisen Erwartungen für bestimmte Erfahrungen oder verschließen uns dafür? – Wie hängt dies mit unserer jeweiligen reli-giösen Tradition zusammen? Auf den Gottesdienst bezogen führen diese Fragen zu kritischer Selbstreflexion in beiden Denominationen. Reformierte müssen aner-kennen, dass ihre Erwartungen an das Wirken des Heiligen Geistes im Gottesdienst oft allzu begrenzt sind. Pfingstler werden zugeben müssen, dass sie manchmal zu schnell eine angebliche Geisterfahrung machen, wo doch nur die Erwartung, eine bestimmte Erfahrung zu machen, Auslöser dieser Erfahrung ist. Beide Denominationen haben jedoch in sich selbst die Kraft kritischer Selbsterneuerung: Reformierte wissen, dass sie Gottes große Herrlichkeit immer nur partiell erfahren und sich in seinem Geist stets erneuern müssen (semper reformanda!). Jeder endgültigen In-stitutionalisierung von Kirche und Gottes-dienst haben von jeher in der reformierten Tradition kritische und prophetische »Geister« vorgebeugt. Auch Reformierte müssen nicht überrascht sein, wenn sich Gott ihnen im Gottesdienst auf eine neue Weise offenbart. Pfingstler wissen, dass individuelle Glaubens-erfahrungen an die Gemeinde rückgekoppelt werden müssen und der Geist im Einzelnen zur Erbauung der Gemeinde und nicht zum Chaos hin wirkt. Erst »in the long run« 8 er-weisen

sich religiöse Erfahrungen als erbau-lich oder zerstörerisch und müssen stets an ihren Früchten gemessen werden. Auch Pfingstler dürfen sich noch von Gott überra-schen lassen, z. B. in einem fest formulierten Bekenntnis, in einer Predigt oder in der Stille eines schlichten Gottesdienstes. 9

Hilfreich für unsere diesjährigen Gespräche war ein Hinweis, den uns ein Mitglied der pfingstlerischen Delegation gab: Wenn du in einen Gottesdienst kommst – sei er pfingstle-risch oder reformiert – dann kommst du, um Gott zu loben. Du betrittst doch nicht die Kir-che, um die Gemeinde zu testen, ob sie alles richtig macht, sondern willst gemeinsam mit den Menschen feiern und deinen Glauben zu Gott bekennen. Wo immer das geschieht, ist Gottesdienst, weht Gottes Heiliger Geist. Er weht auch da, wo ein Teil des Gottesdienstes

mir nicht gefällt oder ich etwas anderes ge-macht hätte. Die Wahrheit dieser Aussage er-fuhren wir beim Pfingstgottesdienst der Pink-ster Gemeente in Amsterdam, der ältesten Pfingstgemeinde Europas (gegründet 1907). 10

Wenngleich dieser Gottesdienst einem »deut-schen« nicht unähnlich war, so gab es doch viel, was wir Reformierten anders gemacht hät-ten. Aber das hielt uns doch nicht davon ab, mit den dort Versammelten gemeinsam Gottes-dienst zu feiern. Wir waren eingeladen, nicht als Fremdlinge, sondern als Hausgenossen und erlebten einen Gottesdienst im vollen Sinne. Die Kontakte zwischen den beiden großen Re-formierten Kirchen in den Niederlanden 11 und

den Pfingstlern zeugen von einer bisher ein-zigartigen und guten Zusammenarbeit zwi-schen beiden Denominationen. Prof. des. Dr. Cornelis van der Laan, Direktor des Bereiches für die Erforschung der Pfingstbewegung an der Freien Universität Amsterdam, berichtete uns von der Intensivierung des Dialogs in den letzten 50 Jahren. Die Pfingstler leiden in den Niederlanden unter einer starken »Fragmen-tierung«. Dort zählen sie ca. 120.000 Mitglie-der, die sich zu unterschiedlichen Zweigen der Pfingstbewegung zuordnen und die von frü-hester Zeit an aus unterschiedlichen Abspal-tungen aus den reformierten Kirchen und der katholischen Kirche stammen. Pfingstler und andere in den Niederlanden vertretene Deno-minationen haben ein großes Interesse an der ökumenischen Zusammenarbeit. Auf lokaler Ebene arbeiten die Gemeinden bereits vielfäl-tig zusammen. Ein Zeichen reformierten Re-spekts auf Ebene der Kirchenleitung gegenü-ber den Pfinstlern stellt die Schrift »De Kerk en de Pinkster Groepen« 12 dar, die 1965 von

der Synode der Nederlandse Hervormde Kerk veröffentlicht wurde.

Wie leben wir als Christen und Christinnen, als Reformierte und Pfingstler unseren Glau-ben in der Welt? Was bedeuten uns Wachstum im Heiligen Geist und Nachfolge Christi heute? Diese Fragen klangen an. Die Pfingst-ler forderten die Reformierten offensiv zu Ge-meindeaufbau und Mission heraus. »Disci-pleship« wird denn auch das Thema der Kon-sultation 2003 zwischen dem Reformierten Weltbund und den Pfingstkirchen in Puerto Rico sein. Es folgen die Themen »Community« (2004, Kapstadt) und »Justice« (2005, Ta-gungsort unklar), jeweils verknüpft mit dem

rwb Dialog mit den Pfingstkirchen

Auch Reformierte müssen nicht über-rascht sein, wenn sich Gott ihnen im Gottesdienst auf eine neue Weise of-fenbart.

14 die-reformierten.upd@ te 02. 2

»... Und stellt euch

nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohl-gefällige und Vollkommene.«

Begriff der »Erfahrung«. Dieses Jahr wurde uns neben den Dialogergebnissen wichtig, was uns die Bibel über den Gottesdienst lehrt (Röm. 12, 1-2): »Ich ermahne euch nun, liebe Brüder (und Schwestern), durch die Barmher-zigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohl-gefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottes-dienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneue-rung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.«

Anmerkungen 1 Diese Frage lässt sich nicht lapidar mit dem durchaus richtigen Hinweis beantworten, dass wir als Menschen immer nur menschlich von Gott reden können und dass somit das Ausspielen von Erfahrungen mit Gott gegen menschliche Erfah-rungen ein Problem ist. Die Dialektik in dieser Frage muss ausgehalten und darf nicht beiseite ge-wischt werden. Für Karl Barth bildete sie die Auf-gabe der Theologie schlechthin (K. Barth: Das Wort Gottes als Aufgabe der Theologie, 1922). 2 S. dazu das abschließende Dokument »Word and Spirit, World and Church«, hg. von der World Alliance of Reformed Churches, Genf 2001, das in-zwischen in vier Sprachen übersetzt wurde. Vgl. auch G.v.Kloeden: Pfingstlerisch und Reformiert. Eine Standortbestimmung, in: Chr. Dahling-Sander u.a. u.a. (Hgg.), Pfingstkirchen und Ökumene in Bewe-gung, Beiheft zur Ökumenischen Rundschau 71, Frankfurt 2001, 82-99. 3 Man denke an den amerikanischen Justizmini-ster John Ashcroft, der sich zu den Pfingstlern zählt, in seinem Büro Bibelstunden für seine Mitar-beiter abhält und sich der »Bekämpfung des Bö-sen«, namentlich des Terrorismus, widmet. 4Folgende Mitglieder nahmen an der Konsulta-tion teil: Für die Pfingstkirchen Dr. Daniela Augu-stine (Bulgarien/Tschechien), Pfr. Dr. David Daniels (USA), Pfr. Dr. Harold Hunter (USA), Dr. Julie Ma (Südkorea/Philippinen), Dr. Wonsuk Ma (Südko-rea/ Philippinen), Dr. Jean-Daniel Plüss (Schweiz), Prof. Dr. Cecil Mel Robeck Jr. (USA); für den Refor-mierten Weltbund: Pfr. Dr. Paul Ara Haidostian (Li-banon), Pfrn. Dr. Gesine von Kloeden (Deutschland), Dr. Odair Pedroso Mateus (Brasilien/Schweiz), Pfr. Aureo R. de Oliveira (Brasilien), Pfr. Cephas Omenyo (Ghana), Pfr. Dr. Joseph Small (USA), Nolipher J. Moyo (Sambia, Reformierter Ökumenischer Rat).

5 Zitat aus Smalls Vortrag: »The word is not for imparting information and the sacraments are not for imparting feelings; both are occasions for the real presence of Christ in our midst.« 6 So ein Zitat des Dialogteilnehmers Prof. Dr. Cecil Mel Robeck, Jr. 7Vgl. hierzu St. Hübsch: »Eine Empirie zweiten Grades«. Zum Verhältnis ästhetischer Erfahrung und Kunstgeschichte, in: M. Hampe, M.-S. Lotter: »Die Erfahrungen, die wir machen, sprechen gegen die Erfahrungen, die wir haben«. Über Formen der Er-fahrung in den Wissenschaften, Berlin 2000, 65-80. 8 Diese bewusst dem »Commonsensianismus« entliehene Formulierung weist auf die religions-psychologische Dimension des Erfahrungsbegriffs, wie sie im amerikanischen Pragmatismus von Charles Sanders Peirce und William James unter-sucht wurde und die in unsere Diskussion einbezo-gen wurde. S. besonders Ch. S. Peirce, How to Make Our Ideas Clear (1878), W. James, The Varie-ty of Religious Experience (1902). 9 Plüss schlug in seinem Vortrag den Pfingstlern eine »un-pentecostal virtue« vor: die Stille als Mo-ment der Rückbindung an Gott, aus der heraus Gott spricht und sich den Gläubigen im Heiligen Geist (z.B. durch Zungenrede) offenbare. 10 Von einem Mitglied der pfingstlerischen Dele-gation aus Bulgarien, Dr. Daniela Augustine, lern-ten wir, dass es durchaus noch ältere Wurzeln in der Pfingstbewegung in Europa gibt. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entstand völlig unabhängig von den charismatischen Strömungen in Nordame-rika ein eigene pfingstlerische Bewegung in Bulga-rien. Sie löste sich von der Orthodoxen Kirche ab uns schloss sich erst später mit der »Church of God« in Amerika zusammen. Bis heute, auch über die Jahre des Kommunismus hinweg, ist in Bulga-rien eine starke Pfingstbewegung lebendig, die in ihren Gottesdiensten Elemente aus der orthodoxen Liturgie übernimmt. Auch sonst unterscheiden sich die Pfingstler Bulgariens von anderen Pfingstge-meinden durch ihr außergewöhnliches Engage-ment in ethischen Belangen, insbesondere in der Sozialarbeit mit Sinti und Roma und in einem be-wussten Einsatz für die Umwelt seit der Reaktor-katastrophe von Tschernobyl. 11 Nederlandse Hervormde Kerk und Gereforme-erde Kerken in Nederland. 12 Leider ist dieses wichtige Dokument bislang weder ins Englische noch ins Deutsche übersetzt. Es könnte eine wichtig Hilfestellung für andere ökumenische Dialoge mit den Pfingstlern inner-halb Europas sein.

Dialog mit den Pfingstkirchen rwb

die-reformierten.upd@ te 02. 2 15

DieAdressdatenbank reformierter Kirchen

und Einrichtungen der Weltist nun komplett. Sie basiert auf dem Buch »The Reformed Fa-mily Worldwide. A Survey of Reformed Chur-ches, Theological Schools, and International Organizations«, hg. von JEAN- JACQUES BAUSWEIN und LUKAS VISCHER, 1999, Wil-liam B. Eerdmans Publishing Company Grand Rapids, Michigan / Cambridge, U.K. Interessierte können hier nach einer Institu-tion suchen oder sich eine Liste der Einrich-tungen nach eigenen Kriterien anzeigen las-sen. Ebenfalls können einzelne Suchbegriffe verwendet werden. Die Datenbank der eformierten Kirchen der Welt wird regelmäßig überarbeitet und auf den neusten Stand gebracht. In dieser Form ist sie einzigartig. Ebenfalls neu steht im Netz dieLektion 4 des Grundkurses reformierte Geschichte und Theologie:Die reformierte Konfessionalisie-rung in Deutschland und Oberdeutschland. Aus dem Inhalt: Martin Bucer und Strass-burg; Johannes a Lasco und Ostfriesland; Grafschaft Bentheim, Steinfurt und Tecklen-burg; Lippe; Rheinland und Niederrhein; Hes-sen- Kassel; Kurpfalz und Baden; Ostdeutsch-land; Hugenotten in Deutschland. Aus der Einleitung: »In dieser Lektion soll es um die Frage gehen, wie sich die Reformation

reformierter Prägung in einzelnen Teilen Deutschlands etabliert hat. Es wird zu sehen sein, dass dies kein einheitlicher Vorgang war. Es gibt zum einen das Phänomen, dass ein-zelne Gebiete, die sich zunächst zur lutheri-schen Reformation gewandt hatten, im Laufe des 16. Jahrhunderts reformiert wurden (so z.B. die Grafschaften Bentheim und Lippe oder die Kurpfalz u.a.). Daneben gibt es auch Regionen, die von Anfang an eine reformiert geprägte Reformation erlebten (etwa Ober-deutschland) oder anfangs sowohl unter lu-therischem wie reformiertem Einfluss standen (etwa die Pfalz). Und es gab in Deutschland zahlreiche Flüchtlingsgemeinden (vor allem Hugenotten und Waldenser). ... Offiziell ist das Reformiertentum in Deutsch-land erst 1648 mit dem Westfälischen Frieden zu Münster und Osnabrück anerkannt wor-den, der den dreißigjährigen Krieg beendete. Vorher ist ein Ereignis aus dem Jahr 1555 wichtig. Im Augsburger Religionsfrieden wer-den u.a. zwei Entscheidungen getroffen. Zum einen wird den Angehörigen der Augsburger Konfession der Landfriede garantiert. Und zum anderen wird das sogenannte ›ius re-formandi‹ bestätigt. Damit können die Für-sten, Reichsgrafen und Reichsstädte die Kon-fession ihres Landes bestimmen (später auf die Formel ›cuius regio eius religio‹ – ›wes Land des Glaube‹ gebracht). Dass die refor-mierte Konfession zu den Augsburgischen Konfessionsverwandten gehört, gab den re-formiert werdenden Fürsten die Freiheit, in ihren Gebieten das reformierte Bekenntnis einzuführen. Für die reformierte Konfession reicht die Zeit der Konfessionalisierung von 1563 (die Kurpfalz wird reformiert) bis zum Westfälischen Frieden 1648. Dort wird einer-seits den Reformierten das gleiche Recht wie den Katholiken und Lutheranern eingeräumt. Und zum anderen wird das ›ius reformandi‹ eingeschränkt, so dass ein Konfessionswech-sel des Landesherrn nicht mehr den seiner Ge-biete zur Folge haben muss.«

16 die-reformierten.upd@ te 02. 2

Alle Kirchen im Netz Die Volldatenbank der reformierten Kirchen der Welt arbeitet

Die Web-Seite »reformiert »reformiert online« (www. reformiert-online. net) ent-wickelt sich immer mehr zu der Seite der

Reformierten in der Welt: Die Adressdaten-bank aller refor-mierter Kirchen streht ebenso im Netz wie die nächste Lektion des Grundkurses über reformierte Geschichte und Theologie.

reformiert online news

Miteinem Dank an die Nürnberger Gastgeber

ging am Samstag, den 15. Juni, die Hauptver-sammlung des Reformierten Bundes in Deutschland zu Ende. Der Moderator des Re-formierten Bundes, D. Peter Bukowski (Wup-pertal), dankte der gastgebenden ev.-refor-mierten St. Martha Gemeinde ebenso wie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Cari-tas- Pirckheimer-Hauses. In dieser katholi-schen Tagungsstätte hatten die mehr als 200 evangelisch- reformierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Gäste aus den Niederlanden, aus Belgien, Italien und Däne-mark, sehr gute Voraussetzungen für ihre Ar-beit gefunden. Ein »Stück selbstverständlich praktizierter Ökumene« nannte Bukowski diese Erfahrung. Vor 30 Jahren waren die Re-formierten zum letzten Mal in Nürnberg, auch damals als Gast der Martha-Gemeinde, die auch die diesjährige Tagung am Ort vorberei-tet und drei Tage begleitet hat. Mit einem in einer von Medien geprägten Welt überraschenden Thema hatten sich die Vertreterinnen und Vertreter der etwa 450 im Reformierten Bund zusammengeschlossenen Gemeinden und Kirchen beschäftigt, mit dem »Bilderverbot«. Das in biblischer Zählung zweite Gebot – »Du sollst dir kein Bildnis ma-chen« – ist aber nicht als die Aufforderung zu einer Rückwendung in eine vermeintlich bil-derlose oder bilderarme Vergangenheit zu verstehen. Die beiden Referenten, Prof. Dr. Michael Weinrich (Berlin) und Prof. Dr. Man-fred Josuttis (Essen), machten das in ihren Vorträgen deutlich. Es geht vielmehr um die Lebendigkeit Gottes und um die Lebendigkeit des Menschen, wenn die Bibel das zweite Gebot so formuliert. (Die Vorträge der beiden Referenten sowie die Bibelarbeit von Prof. Dr. Marie-Theres Wacker werden in Kürze in den reformierten akzenten 6 vorliegen.) Nicht nur Bilder in den Medien gaukeln oft nur die Wahrheit vor und pressen sie in Wirklich-keit in das, was gezeigt werden soll. Als Bei-spiele wurde in diesem Zusammenhang immer

wieder auf die Kriegsberichterstattung der letzten Jahre verwiesen. Ein »sauberer« Krieg sollte demonstriert werden, die Bilder der vie-len Opfer wurden verschwiegen. Aber auch die Bilder, die man von anderen Menschen in sei-ner Vorstellung hat, die Festlegungen anderer Menschen auf ein bestimmtes Verhalten etwa, zerstört die Lebendigkeit des anderen. Und ge-nauso wird Gott oft in bestimmte Vorstellun-gen, in Bilder gefasst, die menschlichen Wün-schen entsprechen und seine lebendige Gegen-wart begrenzen wollen.

Gerade auf dem Hintergrund der genannten Medienkritik befassten sich die Evangelisch-reformierten auch mit dem Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Sie ermutigten dazu, sich der Suggestivkraft der in den Me-dien gezeigten Bilder zu entziehen und nach der Wahrheit hinter den Bildern zu fragen. So zeigen Bilder etwa israelische Panzer, die gegen Steine werfende Kinder aufziehen. Aber verschwiegen und nicht gezeigt wird, wer die Kinder dazu gebracht hat, sich – oft ja nicht nur mit Steinen – gegen Bürger Is-raels zu wenden.

Hauptversammlung des Reformierten Bundes Thema

die-reformierten.upd@ te 02. 2 17

»Du sollst dir kein Bildnis machen« Hauptversammlung des Reformierten Bundes in Nürnberg

VON JÖRG SCHMIDT

So ging es los: Anmeldung im Caritas-Pirckheimer-Haus Foto: Foto: Foto: js

Indiesem Zusammenhang beschloss die

Hauptversammlung einen Brief, der an den Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, gerichtet ist. Darin bekunden sie ihre Solidarität mit den in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden und distanzieren sich von allen antisemiti-schen Äußerungen und Drohungen. Ebenso wenden sie sich gegen den seit Jahrhunderten benutzten Vorwurf, Juden seien am Antisemi-tismus selber Schuld, wie er aktuell vom stell-vertretenden Vorsitzenden der F.D.P., Jürgen Möllemann, im Hinblick auf Michel Friedman formuliert worden war.

Schon in seinem Bericht hatte Peter Bukowski sich »zur ausweglos erscheinenden Lage in Is-rael und Palästina« geäußert. Politisch sei im Grunde alles gesagt: »Einen gerechten Frieden kann es nur geben, wenn beides zugleich ge-währleistet ist: das Lebensrecht Israels auf der einen Seite und ein eigener palästinensischer Staat auf der anderen Seite.« Angesichts der Situation, dass diese Option in weite Ferne ge-

rückt zu sein scheint, »weil die Konfliktpar-teien in einer sich immer unerbittlicher schlie-ßenden Eskalationsfalle stecken«, verbiete sich jede Parteinahme, »die das Recht der anderen Seite ausblendet.« Im Hinblick auf eine seiner Meinung nach durchaus legitime Kritik an der Politik des Staates Israel fragte Bukowski an, »ob im Wahrnehmen der israelischen Fehler nicht eine klammheimliche Erleichterung hochsteigt, weil die, an denen unser Volk so großes Unrecht begangen hat, nun ihrerseits für ihr ungerechtes Tun angeklagt werden können. Wie, wenn nicht mit solchen Ab-gründigkeiten, wären sprachliche Entgleisun-gen zu verstehen, die Israels Kriegs-handlungen in die Nähe von Naziver-brechen rücken.« Gerade im Zusammenhang der Vor-gänge um den FDP-Politiker Jürgen Möllemann und im Blick auf die jüngsten Wahlergebnisse in Europa – so der Vorsitzende des Reformierten Bundes – seien wir zu »erhöhter Wachsamkeit« aufgerufen. »Wir müs-sen den sich andeutenden Klima-wechsel beobachten, dürfen uns kei-nesfalls an ihn gewöhnen und müs-sen alles in unserer Macht Stehende tun, um jedem Antisemitismus zu wehren.« (Der Bericht des Moderators des Reformierten Bundes wird auf S. 23ff. wiedergegeben.)

Die Hauptversammlung beschloss ebenfalls, ATTAC zu unterstützen. ATTAC (französische Abkürzung für »Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen im Interesse der BürgerInnen«) ist ein breites Netz-werk aus der Umwelt- und Eine-Welt- Bewegung, aus Kirchen, Ge-werkschaften und anderen gesell-schaftlichen Gruppierungen. Zentra-les Ziel von ATTAC ist die Regulie-rung der internationalen Finanz-märkte, unter anderem durch die Einführung einer geringen Steuer auf internationale Fi-nanztransaktionen (Tobin-Steuer). Für die Hauptversammlung ist auch dieser Beschluss eine logische Konsequenz ihrer Be-schäftigung mit dem Bilderverbot. Sie fragen, ob nicht gerade von der »Globalisierung« ein Bild gezeigt wird, das ihre dunklen Seiten verschweigt. Gerade die Reformierten in der

Thema Hauptversammlung des Reformierten Bundes

18 die-reformierten.upd@ te 02. 2

O Of ff fe en ne er r B Br ri ie ef f a an n P Pa au ul l S Sp pi ie eg ge el l Sehr geehrter Herr Spiegel, wir, die Mitglieder des Reformierten Bundes, die vom 13. bis zum 15. Juni in Nürnberg zu ihrer Hauptversammlung zusammen gekommen sind, solidarisieren uns angesichts der jüngsten antisemitischen Untaten und Debatten mit Ihnen und allen Jüdinnen und Juden in Deutschland. 1. Im Gefolge des eskalierenden Konfliktes zwischen Israel und Palästinensern ist es gerade in Deutschland wiederholt zu Gewalttaten gegen Jüdinnen und Juden gekommen. Man kann über den Konflikt und auch über die Politik der is-raelischen Regierung unterschiedlicher Meinung sein. Doch sind in Deutschland lebende Jüdinnen und Juden in keiner Weise mit dem, was die israelische Re-gierung tut, in Verbindung zu bringen. Sie können nicht Adressaten etwaiger Is-raelkritik sein, und sie sind unbedingt und uneingeschränkt vor Anfeindung und gewaltsamen Übergriffen zu schützen. 2. Wir stellen uns in der Auseinandersetzung mit dem FDP-Politiker Jürgen Möl-lemann ausdrücklich auf die Seite des Zentralrates. Dass Jürgen Möllemann ver-sucht, Juden – namentlich Ariel Scharon und Michel Friedman – die Schuld an antisemitischen Ressentiments zuzuweisen, ist ein ungeheuerlicher Vorgang. Seine gewundenen Erklärungen sind in keiner Weise geeignet, die Dinge ins Reine zu bringen. Nehmen Sie dieses Schreiben bitte als unsere Verpflichtung, nicht nur mit Wor-ten, sondern auch mit Taten das zu tun, was in unseren Möglichkeiten liegt, um Jüdinnen und Juden ein Leben ohne Angst vor Anfeindungen und Gewalttaten in Deutschland zu ermöglichen.

»DieFrage des ge-rechten

Wirtschaf-tens muss zu einem Thema der Gemein-den werden.«

so genannten »Dritten Welt« – die Mehrheit der etwa 75 Millionen Reformierten weltweit lebt dort – haben darauf immer wieder auf-merksam gemacht. Denn sie haben die Leben zerstörenden Folgen zu tragen. Schon der Generalsekretär des Reformierten Bundes, Pfarrer D. Hermann Schaefer (Wup-pertal), hatte in seinem Bericht die besondere Bedeutung dieser Organisation betont. »Die Frage des gerechten Wirtschaftens muss zu einem Thema der Gemeinden werden«, hatte er hervorgehoben und unter anderem man-gelhafte Vernetzung der Aktivitäten auf ört-licher und regionaler Ebene dafür verant-wortlich gemacht, dass ein wirksamer Lern-prozess bisher kaum in Gang gebracht wor-den ist. Ein Engagement bei ATTAC könne dazu helfen, einen Beitrag »zum Aufbau eines Bündnisses für Gerechtigkeit in Wirtschaft und Umwelt« zu leisten. (Auch der Bericht des Generalsekretärs ist an anderer Stelle abge-druckt [ab S. 34]; der Wortlaut des Beschlus-ses zu ATTAC folgt in der nächsten Ausgabe von »die reformierten ...«.)

Die Hauptversammlung folgte seiner Argu-mentation und stimmte dem Initiativantrag der Lippischen »Anti-Mammon-Gruppe« zu, sich bei ATTAC zu engagieren. So soll das Netzwerk bekannt gemacht werden, etwa durch die Öf-fentlichkeitsarbeit des Reformierten Bundes. Und nach Möglichkeit sollen Mitglieder des Bundes bei Aktionen und in Gremien von ATTAC mitarbeiten, und nicht zuletzt soll ATTAC auch finanziell unterstützt werden.

Außerdem hat sich die Hauptversammlung des Reformierten Bundes mit einer Erklärung zur Friedensverantwortung an die Bundesre-gierung gewandt. 20 Jahre nach der Veröf-fentlichung der Erklärung des Moderamens »Das Bekenntnis zu Jesus Christus und die Friedensverantwortung der Kirche« mit ihrem eindeutigen »Nein« gegen den Gebrauch von Massenvernichtungsmitteln wendet sie sich dagegen, dass in der Frage, wie nationale und internationale Konflikte gelöst werden kön-nen, die Logik der Gewalt sich unwiderspro-chen etabliert (s. Text nächste Seite).

Hauptversammlung des Reformierten Bundes Thema

die-reformierten.upd@ te 02. 2 19

Und so ging es weiter: Eröffnung der Hauptversammlung mit dem »Calvin-Quartett«. Foto: js

Thema Hauptversammlung des Reformierten Bundes

In dem von der Regierung der USA als Antwort auf die verbrecherischen Terroranschläge vom 11. September 2001 proklamierten Kampf gegen den internationalen Terrorismus, für den die Bundes-regierung »unein-geschränkte

Solidarität" zugesagt hat, hat die Absicht, diesen Kampf vor allem mit militäri-schen Mitteln zu führen, zunehmend die Oberhand gewonnen.

20 die-reformierten.upd@ te 02. 2

Erklärung der Hauptversammlung des Reformierten Bundes zur Friedensver-antwortung in der gegenwärtigen Situation

Der Reformierte Bund innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland hat bereits in der Erklä-rung seines Moderamens »Das Bekenntnis zu Jesus Christus und die Friedensverantwortung der Kir-che" von 1982 mit einem eindeutigen »Nein" zu allen Massenvernichtungsmitteln die Friedensver-antwortung der Kirche betont. Im Ernstnehmen dieser Verantwortung hatte im Jahr 2000 die voran-gegangene Hauptversammlung des Reformierten Bundes in Dresden festgestellt: »In der Frage, wie nationale und internationale Konflikte gelöst werden können, droht die Logik der Gewalt sich un-widersprochen zu etablieren ... Der Einsatz militärischer Mittel kann und darf heute kein Mittel der Regelung von Konflikten mehr sein." Mit großer Sorge stellen wir heute fest: In dem von der Regierung der USA als Antwort auf die ver-brecherischen Terroranschläge vom 11. September 2001 proklamierten Kampf gegen den internatio-nalen Terrorismus, für den die Bundesregierung »uneingeschränkte Solidarität" zugesagt hat, hat die Absicht, diesen Kampf vor allem mit militärischen Mitteln zu führen, zunehmend die Oberhand ge-wonnen.

Diesen Kampf zudem die religiöse Gestalt eines »Kampfes zwischen Gut und Böse", gegen eine »Achse des Bösen" oder gar eines »Kreuzzuges" zu verleihen, verbietet der Glaube an die durch Jesus Christus bezeugte und geschehen Versöhnung Gottes mit seiner Welt und allen in ihr lebenden Menschen. Auch darf der Kampf gegen den internationalen Terrorismus nicht in Kriegen gegen Staaten beste-hen, die der Verbindung mit demselben bezichtigt werden, wobei Tod und Verwundung Tausender unbeteiligter Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, als unvermeidbar in Kauf genommen werden. Angesichts der sich derzeit darstellenden Anti-Terrorismus-Politik wie im Blick auf alle Versuche, politische Konflikte im internationalen und nationalen Bereich mit militärischer Gewalt zu lösen, bitten wir die Bundesregierung eindringlich: – den von ihr betonten Vorrang politischer statt militärischer Lösungen bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus Ernst zu nehmen und die Mitwirkung der Bundesrepublik Deutschland innerhalb der Anti-Terror-Allianz bei eventuell bevorstehenden Militäreinsätzen gegen weitere Staa-ten zu verweigern, – ihr Eintreten für einen Abbau der Armut in der Welt – als einer wesentlichen Voraussetzung für Frieden zwischen den Völkern – zu konkretisieren und ihren Einfluss in internationalen Organisatio-nen wie der Weltbank und dem IWF geltend zu machen – u.a. für die Einführung der Tobin-Steuer –, –, um auch auf diesem Wege zu einer gerechteren Weltwirtschaftsordnung und Entlastung der unter wirtschaftlicher Abhängigkeit und unbezahlbaren Schulden leidenden Staaten zu gelangen, – den von ihr immer wieder angemahnten politischen statt militärischen Lösungen zwischenstaat-licher oder innerstaatlicher Konflikte Nachdruck zu verleihen und Waffenlieferungen in davon be-troffene Spannungsgebiete nicht zuzulassen, hingegen – wie bereits im Jahre1990 auf der Weltkon-vokation in Seoul verlangt – zur »Verwurzelung in einer Kultur der aktiven und lebensfreundlichen Gewaltfreiheit" den Aufbau eines wirksamen zivilen Friedensdienstes zu fördern, – in Konsequenz ihrer Ächtung von Massenvernichtungsmitteln und in Übereinstimmung mit dem Internationalen Gerichtshof, der 1996 das Drohen mit und den Einsatz von Atomwaffen für völker-rechtswidrig erklärte, die NATO zu einer Strategieänderung zu bewegen, die einen noch immer für legitim erachteten Erstschlag beim Einsatz von Atomwaffen ausschließt – eingeschlossen ist hierbei auch die Ablehnung der angeblich neuen Nuklearstrategie der USA, »handlichere" Atomsprengköpfe mit reduzierter Nebenwirkung zu entwickeln und gegebenenfalls gegen die sog. Schurkenstaaten einzusetzen, – sich zum Erreichen gewaltfreier angemessener Lösungen internationaler und nationaler Konflikte unablässig für eine Stärkung der Autorität der Vereinten Nationen und der Europäischen Union ein-zusetzen, die sicherstellt, dass Gewaltausübung nicht mehr als Ausdruck des Rechts des Stärkeren, sondern nur noch zur Stärkung des Rechts erlaubt oder auch geboten sein darf.

›Kommherüber

und hilf uns‹.

In seinem Bericht vor der Hauptversammlung des Reformierten Bundes äußerte sich der Moderator des Reformierten Bundes auch zu den Vorschlägen für eine Strukturreform des deutschen Protestantismus. Die Stärkung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), wie sie der leitende Jurist der Ev.-lutherischen Kirche Hannovers, E. v. Vietinghoff, Anfang des Jahres vorgeschlagen hat, findet seine deutliche Zustimmung: »Als Reformierte kön-nen wir diese Initiative nur unterstützen«, sagte Bukowski wörtlich, und weiter: »Wir haben uns von jeher für eine Stärkung der EKD eingesetzt.« Seiner Meinung nach entspricht die Struktur des Reformierten Bundes im Grunde dem, was v. Vietinghoff den Lutheranern als deren künftige Struktur vorschlägt, nämlich die einer theologischen Arbeitsgemeinschaft. Der Moderator des Reformierten Bundes geht da-von aus, dass durch die Reform die gewach-senen konfessionellen Profile in der laufen-den Arbeit der EKD tendenziell an Gewicht gewinnen würden. Durch ein Festhalten an

den überkommenen Strukturen hingegen würden »Reibungsverluste entstehen, die letztlich denen zuarbeiten, die ihre tumben antikonfessionellen Ressentiments als ökume-nische Fortschrittlichkeit ausgeben.« Ausdrücklich lud er die Lutheraner ein, sich an diesem Prozess der Stärkung der EKD zu beteiligen und so die »ekklesiologische Le-bensform einer versöhnten Verschiedenheit« zu unterstützen. »Sie steht und fällt freilich damit, – so Bukowski wörtlich –, dass gerade die beieinander sind, die sich bei aller Ver-schiedenheit in der Wertschätzung konfessio-neller Prägung einig sind. Ich habe anderen keine Ratschläge zu erteilen. Aber unter dem zuletzt genannten Aspekt wage ich es, im Blick auf eine künftige Umgestaltung der EKD als Reformierter der lutherischen großen Schwester zuzurufen: ›Komm herüber und hilf uns‹.«

Die diesjährige Hauptversammlung hatte auch sechs Mitglieder des Moderamens des Reformierten Bundes zu wählen. Das Modera-

Hauptversammlung des Reformierten Bundes Thema

die-reformierten.upd@ te 02. 2 21

Leitung und Gäste der Hauptversammlung am Eröffnungsabend: (1. Reihe von links) D. Peter Bukowski (Moderator); Landesbischof Dr. Johannes Friedrich; Landessuperintendent Gerrit Noltensmeier; Präses Joachim Metten; Pater Jeran vom CPH. Foto: js

menleitet den Bund in der Zeit zwischen den

Hauptversammlungen und besteht aus 24 Mitgliedern. Zwölf werden von verschiedenen Mitgliedskirchen delegiert bzw. vom Modera-men selbst bestimmt (kooptiert), zwölf weite-re von der Hauptversammlung auf acht Jahre gewählt. Alle vier Jahre scheidet die Hälfte der Gewählten aus, so dass die Hauptver-sammlung sechs Mitglieder des Moderamens neu zu bestimmen hatte. Neun Kandidatinnen und Kandidaten stellten sich der Wahl. Neu bzw. wieder gewählt wurden Ulrich Bar-niske (mit 175 Stimmen), Annette Kurschus

(148), Dr. Georg Plasger (127), Dr. Arno Schil-berg (155), Walter Schulz (124) und Martina Wasserloos-Strunk (141). Nicht gewählt wur-den Christiane Nolting (Bad Salzuflen), Dr. Brigitte Schroven (Nordhorn) und Gerrit-Jan Vette Vette (Veldhausen). Uberraschung löste aus, dass mit Ch. Nolting und B. Schroven zwei ehemalige Mitglieder des Moderamens nicht wieder gewählt wurden.

Ulrich Barniske, Jahrgang 1948, arbeitet als Pfarrer in der Ev.-ref. Gemeinde in Branden-burg und vertritt schon seit vielen Jahren die Reformierten aus dem östlichen Bereich der Bundesrepublik Deutschland. Annette Kur-schus, Jahrgang 1963, arbeitet als Pfarrerin in einer Gemeinde im Siegerland, wo ja be-kanntlich viele Reformierte zu Hause sind. Dr. Georg Plasger, Jahrgang 1961, ist habilitierter Theologe und arbeitet als theologischer Mit-arbeiter in der Ev.-ref. Kirche. Dr. Arno Schil-berg, Jahrgang 1960, ist der leitende Jurist der Lippischen Landeskirche. Walter Schulz,

Jahrgang 1955, leitet die »Stiftung Johannes a Lasco Bibliothek Große Kirche Emden«, die unter anderem für das reformierte Internet-Projekt »reformiert online« zuständig ist. Mar-tina Wasserloos-Strunk, Jahrgang 1964, stu-dierte Politikwissenschaftlerin und Theologin, ist Presbyterin in der Ev. Kirchengemeinde Rheydt.

Thema Hauptversammlung des Reformierten Bundes

22 die-reformierten.upd@ te 02. 2

Die neu bzw. wieder ins Moderamen Gewählten (von links): A. Kurschus, A. Schilberg, G. Plasger, W. Schulz, M. Wasserloos-Strunk, H.-P. Friedrich (Delegierter der Ev. Kirche im Rheinland); (rechts in der zweiten Reihe) U. Barniske.

I

»Ein Wort ist aufgestanden und geht um, drängt sich in unsere Gespräche, rührt unsere Gewissen, stört hie und da unsere Andacht, ja unsere Gemeinschaft und weckt in der Ge-meinde Jesu Christi eine Unruhe – weltweit. Aufgestanden ist ein Wort, vielfach miß-braucht und verdreht, und ist nicht aufzuhal-ten; noch wird es nicht von allen gelitten und macht Leiden. Ein Hauptwort des Herrn Jesus Christus und doch auch unter Christen ein Fremdwort: Frieden von Gott her, Frieden auch unter den Menschen und mit der Natur.« Mit diesen Worten beginnt ein Brief, den Ru-dolf Bohren 1983 den reformierten Gemein-den in Deutschland schreibt. Seelsorgerlich in die Bedenken der Gemeinden sich einfühlend, biblisch argumentierend und prophetisch auf-rüttelnd ringt er um Verständigung und um Einverständnis zu einer Erklärung des Mode-ramens des Reformierten Bundes, die wie keine andere die Gemüter bewegt. Unter der Überschrift:»Das Bekenntnis zu Jesus Chri-stus und die Friedensverantwortung der Kirche«hat das Moderamen am 12. Juni 1982 (also heute vor 20 Jahren und zwei Tagen) Thesen zur Friedensethik beschlossen, die sich von den meisten anderen kirchlichen Verlaut-barungen darin unterscheiden, dass hier nicht entschieden »Ja und Nein« oder »Noch gilt das Noch« gesagt wird, sondern »Nein!«. Nein nicht nur zur Anwendung, sondern auch zum Besitz und zur Drohung mit atomarer Rü-stung. Sein spezifisches Gewicht erhält dieses Nein dadurch, dass es nicht als bloße politi-sche Meinungsäußerung, nicht als ein Wort des Ermessens daherkommt, sondern als ver-bindliche Antwort christlichen Bekennens: Es ist der Glaube an den dreieinigen Gott, der ein »Nein ohne jedes Ja« zur sich immer bedroh-licher beschleunigenden atomaren Rüstungs-spirale gebietet, und der zugleich das Vertrau-en schafft, entschlossen den Weg der Versöh-

nung, des Friedens – und das bedeutet zu-nächst: der Abrüstung einzuschlagen. Mit den Worten der These III: »Gott ist der Schöpfer und Erhalter der Welt. Trotz unserer Schuld hält und erneuert er in Treue den Bund mit uns Menschen und gibt nicht preis die Werke seiner Hände. Dieses Bekenntnis unseres Glaubens ist unvereinbar mit der