4. Reformation und Reformatoren in anderen Schweizer Orten

Wie schon anhand der Auseinandersetzungen Zürichs mit den katholischen Orten erwähnt, hatte sich die Reformation bereits in einigen anderen Orten durchsetzen können. In der Ostschweiz (Appenzell, Glarus, Graubünden) können die einzelnen Gemeinden selber entscheiden, ob sie die Reformation einführen wollen. In Chur und Graubünden wirkte vor allem Johann Comander (1482-1557), der als Vater der Bündner Reformation gilt.
Bern wendet sich 1528 zur Reformation. In erster Linie ist Berchtold Haller (1492-1536) in seiner vorsichtigen und doch bestimmten Art hier als verantwortlich zu benennen; gerade der Aufbau des bernisches Kirchenwesens geht auf ihn zurück.
1529 folgen Basel, Schaffhausen und St. Gallen.
In Basel ist zunächst Johannes Oekolampad (1482-1531) hervorzuheben. Er ist seit 1523 Professor für biblische Theologie und dann ab 1529 Pfarrer am Basler Münster und Sprecher der Pfarrerschaft. Sein theologisches Lebenswerk mit ausführlichen Studien zum Abendmahl und zum Gottesdienst harrt noch einer gründlichen Erforschung. Nachfolger Oekolampads wird Oswald Myconius (1488-1552), der als Vermittler wirksam ist und bei den beiden Basler Konfessionen (1534 und 1536; die zweite ist gleichzeitig die erste Helvetische Konfession) federführend tätig. Auch verfasst Myconius 1532 die erste Biographie Zwinglis mit dem Titel: De domini Huldrichi Zuinglii fortissimi herois ac theologi doctissimi vita et obitu (Leben und Tod des tapferen Helden und gelehrten Theologen Huldrych Zwingli).
In Schaffhausen wirken federführend Sebastian Hofmeister (1476-1533), der allerdings 1526 aus Schaffhausen weichen muss, und Erasmus Ritter (gest. 1546), der später in Bern amtiert.
In St. Gallen fördert vor allem der Bürgermeister Joachim Vadian (1483/84-1551) die Reformation, unterstützt von Johannes Keßler (1502/03-1574), der auch nach Vadians Tod die Leitung der Reformation übernimmt.

Die Reformation in allen diesen Orten geht auf Verbindungen mit Zwingli zurück. Man wird daher zwar nicht sagen können, dass Zwingli alleiniger Reformator der Eidgenossenschaft war, wohl aber doch, dass die ganze eidgenössische Reformation grundlegende zwinglische Einsichten (u.a. hinsichtlich des Abendmahls) aufgenommen hat. Außerhalb der heutigen Schweiz gehen die reformierten Kirchen mit der Ausnahme zweier Orte in der Nähe Memmingens (Herbishofen und Grönenbach, die zur Herrschaft Pappenheim gehörten) nicht direkt auf die Reformation Zwinglis zurück.