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Lektion 3
Johannes Calvin, die Reformation in Genf und die
Anfänge der Reformation in Frankreich
(Druckversion) (Forum
zum Grundkurs)
1. Johannes Calvin, der Despot aus Genf?
2. Kindheit und Studienjahre (1509 - 1535)
3. Wann fand Calvins Bekehrung zur Reformation statt?
4. Vom ersten zum zweiten Genfer Aufenthalt (1536 - 1541)
5. Der Aufbau der Genfer Kirche
6. Einige theologische Akzente
7. Der Prozess Michael Servet
8. Calvins letzte Jahre
9. Theodor Beza - Nachfolger Calvins
10.Die Entwicklung der reformierten Kirche in Frankreich
bis 1598
8. Calvins letzte Jahre
Im Jahre 1549 stirbt Calvins Frau; aus der Ehe entstammte
übrigens ein Sohn, der aber kurz nach der Geburt verstarb.
Im Jahre 1559 gründet Calvin in Genf die Akademie
mit drei Lehrstühlen: Griechisch, Hebräisch und Philosophie.
Die Akademie ist die Ausbildungsstätte für viele Theologen,
die sich der Reformation angeschlossen haben und dann zu Reformatoren
ihres Landes werden; die Wirkung kann gar nicht überschätzt
werden. So studieren etwa John Knox aus Schottland in Genf und viele andere
aus vielen Ländern dort. Die Akademie kann als Krönung des Werks
von Calvin gelten: hier bekommt die Schriftauslegung als zentrales Anliegen
Calvins ihren organisierten Raum.
Im
gleichen Jahr erscheint die letzte Überarbeitung der Institutio.
Sie ist jetzt ein dickes Lehrbuch mit vier Büchern und 24 Kapiteln
und gehört zu den großen dogmatischen Werken der evangelischen
Theologie.
Wohl aufgrund seiner zu großen Arbeitsmühe
in seinem Leben wird Calvin, der eine Fülle von Krankheiten durchlebt
hatte, immer schwächer. Am 2. Februar 1564 hält er seine letzte
Vorlesung in der Akademie, am 6. Februar seine letzte Predigt. Am 27.
Mai 1564 stirbt Calvin in Genf. Am 28. Mai wird er ohne Pomp beigesetzt
und sein Grab erhält auf eigenen Wunsch keinen Grabstein. So weiß
heute keiner mehr, wo genau Calvin begraben liegt. In seiner Abschiedsrede
vom 28. Februar 1564 formuliert Calvin im Rückblick:
"Ich habe viele Schwächen gehabt, die
Ihr ertragen mußtet, und selbst all das, was ich getan habe, ist
im Grunde nichts wert. Die schlechten Menschen werden diesen Ausspruch
bestimmt ausschlachten. Aber ich wiederhole noch einmal, daß all
mein Tun nichts wert ist und ich eine elende Kreatur bin. Ich kann allerdings
wohl von mir sagen, daß ich das Gute gewollt habe, daß mir
meine Fehler immer mißfallen haben und Gottesfurcht in meinem
Herzen Wurzeln geschlagen hat. Ihr könnt es bestätigen, daß
mein Bestreben gut gewesen ist. Darum bitte ich Euch, daß Ihr
mir das Schlechte verzeiht. Wenn es aber auch etwas Gutes gegeben hat,
so richtet Euch danach und befolgt es!" (zitiert nach: Calvin-Studienausgabe
Band 2: Gestalt und Ordnung der Kirche, hg. v. E. Busch u.a., Neukirchen-Vluyn
1997, 299)
Calvin stammt aus Frankreich, und sein ganzes Leben
ist auf Frankreich hin ausgerichtet gewesen. Er will die Gemeinden in
Frankreich, die unter Verfolgung leiden, stärken. Ihnen zu dienen
war sein großes Lebensziel. Er hat es geschafft, die reformierten
Kirchen zu einen durch eine gemeinsame Lehre und durch die Kirchenordnung.
Aber er stirbt zu früh, um den französischen Gemeinden in den
späteren Religionskriegen in Frankreich mit Rat und Tat zur Seite
zu stehen.
Beeindruckend ist seine Briefkorrespondenz mit ganz Europa, ca. 2000 Briefe
sind erhalten. Es finden sich Briefe an politische Führungspersönlichkeiten
ebenso wie an andere Reformatoren innerhalb und außerhalb der Eidgenossenschaft.
In vielen Briefen geht es um die Situation der Evangelischen in Frankreich,
aber auch darüber hinaus. Daneben aber finden sich auch ganz viele
Briefe, die den Seelsorger Calvin zeigen, der es versteht, auch einfachen
Gemeindegliedern auf ihre Glaubens- und Lebensfragen hin hilfreichen und
lebensförderlichen Rat zu eben.
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