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Lektion 5
3. Die Niederlande Das Gebiet der heutigen Niederlande ist nicht identisch mit den Niederlanden
zur Reformationszeit; vielmehr schließt dieses das heutige Belgien
und Luxemburg mit ein. Die ersten evangelischen Märtyrer wurden
1523 in Brüssel auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Bis etwa 1560
wird man von einem Nebeneinander verschiedener reformatorisch gesonnener
Gruppen und Strömungen ausgehen müssen; sie wurden vor allem
im Süden der Niederlande heftig verfolgt. Es gab eine ganze Reihe
von Geistlichen und Gebildeten, die von erasmischen Strömungen und
auch von Luther beeinflusst waren. Daneben existierten ab ca. 1530 verschiedene
Gruppen der sogenannten Täufer, aus denen zu wesentlichen Teilen
auch die Täuferherrschaft in Münster 1534/1535 erwuchs. Nach
der Zerschlagung des Täuferreichs in Münster wurden die Täufer
verfolgt; erst ab ca. 1550 entstanden in der zweiten Generation mit Menno
Simons, nach dem die Mennoniten benannt sind, und anderen neue täuferische
Kreise, die auch Gemeinden gründeten. Bald nach 1571 fand auch die Organisierung der verschiedenen Gemeinden
statt; es wurden Provinzialsynoden gebildet und 1578 fand die erste niederländische
Generalsynode statt. Schon früh wurde deutlich, dass die Reformierten
in den Niederlanden nicht auf einen einheitlichen Ursprung zurückblicken
konnten; vielmehr gab es verschiedene Personen, an denen man sich orientierte.
Das war vor allem Calvin, daneben aber auch Zwingli und Erasmus. Diese
verschiedenen Orientierungen führten zu einem heftigen Streit. Der
Leidener Professor Jacobus Arminius vertrat die Auffassung, dass die
Prädestination (Erwählung) der Menschen geschehe, weil Gott
ihren Glauben vorausgesehen habe. Sein Gegner, der ebenfalls in Leiden
lehrende Franciscus Gomarus, vertrat dagegen die Auffassung, dass der
Glaube nur denen gegeben werde, die von Gott auserwählt seien. Theologischer
Hintergrund war die Frage nach dem Verhältnis von göttlichem
Handeln (Erwählung) und menschlichem Handeln (Glaube), die als miteinander
konkurrierend gedacht wurden. Beide Theologen gewannen viele Anhänger.
Sowohl die Remonstranten (Anhänger des Arminius) wie die Contra-Remonstranten
(Anhänger des Gomarus) reichten Bittschriften beim niederländischen
Staat ein. 1618/19 fand in Dordrecht eine Generalsynode statt, die zugunsten
der Contra-Remonstranten entschied. In der Folge bildete sich neben der
Reformierten Kirche eine kleinere bis heute bestehende Remonstrantenkirche
(Remonstrantsche Broederschap).
Unter anderem aus Protest gegen diese einflussreiche Groninger Richtung
fand ab 1834 die sogenannte „Afscheiding“ (=Abscheidung)
vor allem unter Führung des Pastoren Hendrik de Cock statt. Bis
1840 verfolgt entwickelte sich aus der „Afscheiding“ bald
eine kleine Kirche mit mehreren tausend Mitgliedern, die auch eine eigene
Synode bildete. Ab 1870 sorgte das Auftreten von Abraham Kuyper (1837-1920)
für Aufsehen. Er gründet eine eigene Tageszeitung, eine eigene
Universität (Vrije Universiteit Amsterdam) und eine eigene Partei.
Kuyper, der mit dem Ziel angetreten war, die reformierte Kirche aus dem
Schlafe zu wecken und den Liberalismus zu überwinden, bekam Widerstand
aus der Hervormden Kerk; als sich eine Einheit nicht mehr einrichten
ließ, brach er mit der Hervormden Kerk und gründete eigene
Gemeinden (die Bewegung wird „Doleantie“ genannt [von dolere
= trauern]); über 200 000 Menschen folgen Kuyper. 1892 schließen
sich Afscheiding und Doleantie zu den „Gereformeerde Kerken in
Nederland“ (Reformierte Kirchen in den Niederlanden) zusammen.
Um 1900 umfasst diese neue Kirche ca. 8% der niederländischen Bevölkerung.
Weitere Kirchenspaltungen im 20. Jahrhundert haben dazu geführt,
dass gegenwärtig in den Niederlanden 17 reformierte Kirche bestehen,
von denen die meisten allerdings sehr klein sind. Seit den sechziger
Jahren des 20. Jahrhunderts findet allerdings eine Gegenbewegung statt:
Die Hervormde Kerk und die Gereformeerde Kerken in Nederland haben zusammen
mit der sehr kleinen Evangelisch-lutherischen Kirche in den Niederlanden
einen noch nicht abgeschlossenen Weg des Aufeinanderzugehens beschritten;
dieser Prozess wird „Samen op weg“ (= zusammen auf dem Weg)
genannt.
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