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GRUNDKURS REFORMIERT

 

 

Lektion 5
Die Entstehung und die Entwicklung reformierter Kirchen in Europa
   (Druckversion) (Forum zum Grundkurs)

  1. Schweiz
  2. Die Entwicklung der reformierten Kirche in Frankreich nach 1598
  3. Die Niederlande
  4. Schottland
  5. Italien (Waldenser)
  6. Die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder
  7. Ungarn
  8. Rumänien (Siebenbürgen)

 

5. Italien (Waldenser)

Waldensersymbol
auf italienischer Briefmarke

Die bereits vor der Reformation entstandene Waldenser-Bewegung hatte sich nach reiflicher Überlegung 1532 der reformierten Reformation angeschlossen (siehe Lektion 1). Damit veränderte sie ihr Gesicht: aus einer nicht sonderlich organisierten Gemeinschaft wurde eine verfasste Kirche mit klarer Organisation. Die Waldenser hatten Ausstrahlung und wuchsen. Im Jahre 1555 wurden die ersten eigenen Kirchengebäude errichtet, ein Zeichen für die Ausrichtung in die Öffentlichkeit hinein, ein Ausdruck auch von Selbstbewusstsein. Jedoch währte die Phase der Expansion nur kurz. Im Zuge der Gegenreformation wurden alle Gemeinden bis auf einen kleinen Rest in den Piemont-Tälern vernichtet; die Waldenser waren wieder auf ihre alten Gebiete um ihren Hauptort Torre Pelice begrenzt. In diesem Alpenghetto verbrachten die Waldensergemeinden ca. 150 Jahre, wobei sie zwar nicht immer verfolgt, aber doch immer unterdrückt wurden – die unzugängliche Region und die Intervention einzelner Schweizer Kantone und Englands verhinderten Schlimmeres. Am Anfang des 18. Jahrhunderts setzte eine starke Rekatholisierung ein und in der Folge verließ ein Teil der Waldenser das Piemont, zog nach Württemberg und gründete dort neue Gemeinden. In diesem Zusammenhang ist auch Henri Arnaud (1641-1721) zu nennen. Er floh zunächst 1685 aus dem Piemont nach Genf, kehrte von dort zurück und wurde 1699, nachdem er wieder vertrieben wurde, Pfarrer in der Waldenserkolonie Dürrmenz-Schönenberg (Württemberg). Nach 1848 bekamen die Waldenser in Italien volle bürgerliche Rechte; in Zusammenhang mit einer erwecklichen Frömmigkeit und daraus erwachsenden missionarischen Aktivitäten entstehen an vielen Orten in Italien kleine Waldensergemeinden (z.B. Turin, Florenz, Rom und Sizilien); daneben gab es Auswanderungen, vor allem in das Gebiet am Rio de la Plata in Südamerika. 1905 vereinigten sich die alten und neuen Gemeinden zur „Chiesa Evangelica Valdese“ (Evangelische Waldenserkirche). Heute hat die Waldenserkirche in Italien ca. 135 Gemeinden mit ungefähr 28 000 Mitgliedern, davon leben ca. 11 000 in den Piemonttälern; ihre Arbeit hat einen deutlichen diakonischen Schwerpunkt. Die Waldenserkirche besitzt auch eine eigene Fakultät in Rom.

 

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