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8. Rumänien (Siebenbürgen)
Bis 1541 ist Siebenbürgen (oder Transsilvanien) Teil des ungarischen
Königreichs, bevor es bis Ende des 17. Jahrhunderts autonomes türkisches
Protektorat wird. Herausragender Reformator Siebenbürgens ist Johannes
Honterus, der 1542 in Kronstadt die (lutherische) Reformation einführt.
Bis ca. 1550 war die ganze Kirche in Siebenbürgen unter Anführung
des Klerus evangelisch geworden, wobei zunächst ein gemäßigtes
Luthertum in der Tradition Philipp Melanchthons übernommen wurde.
Ab 1550 wendet sich jedoch die Mehrheit der Siebenbürger Kirche
der reformierten Richtung zu, wobei die Pastoren Gregor Szegedi und Peter
Méliusz Juhasz in besonderer Weise wichtig sind: Im Streit um
die Art und Weise der Gegenwart Christi im Abendmahls vertraten sie ein
vom ganzen Christusgeschehen ausgehendes Verständnis: Es gibt keine
Gemeinschaft mit dem Leib Christi ohne den Glauben an ihn; der „Leib
lebt vom Geist“. Diese der calvinischen Lehrauffassung entsprechende
Position überzeugte die Siebenbürger Kirche nach und nach,
1564 gilt als das Anfangsjahr der reformierten Kirche in Siebenbürgen,
und bis 1567 entschieden sich die meisten Pfarrer für die reformierte
Reformation. 1565 wurde in Klausenburg (heute: Cluj Napoca / Kolosvar)
der Heidelberger Katechismus eingeführt. Allerdings unterstützt
der Staat ab 1566 bis 1571 zunächst den Unitarismus (Antitrinitarismus) – noch
heute gibt es in Siebenbürgen unitarische Gemeinden. Und 1571 wurde
der Katholik Stephan Báthori Fürst von Transsilvanien; er
unterstützte die römisch-katholische Kirche und half darüber
hinaus vor allem den Lutheranern. Dennoch galt weiterhin der Grundsatz,
dass jede Stadt ihre eigene Konfession wählen konnte. Die siebenbürgischen
Fürsten arbeiteten mit Habsburg zusammen, und es drohte eine Rekatholisierung.
Jedoch gelang es im sog. langen Krieg von 1593-1606 dem reformierten
Hochadel, die Herrschaft in Siebenbürgen zu erringen, wobei die
Oberherrschaft der Türken das Reformiertentum eher begünstigte,
weil sie eine gemeinsame anti-habsburgische Front bildeten. Die für
die reformierte Kirche positive Lage ändert sich ab 1692, als in
Folge der habsburgischen Besetzung Siebenbürgens die reformierte
Kirche unterdrückt wurde: Kirchengebäude wurden konfisziert,
der Gebrauch des Heidelberger Katechismus verboten. Eine völlige
Rekatholisierung wurde durch den Aufstand gegen die Habsburger (1705-1711)
verhindert. Und erst das Toleranzpatent von 1781 brachte langsam Erleichterungen;
gleichzeitig fand wie auch andernorts eine Entleerung des kirchlichen
Lebens statt. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kommt
es zu Erneuerungen auf verschiedenen Ebenen; so wurden z.B. neue Schulen,
Kirchen und Pfarrhäuser gebaut, auch die theologische Fakultät
in Klausenburg wurde neu organisiert.
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