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GRUNDKURS REFORMIERT

 

 

Lektion 6
Reformierte Bekenntnisse
im 16. und 17. Jahrhundert
   
(Druckversion) (Forum zum Grundkurs)

Einleitung
1. Zum Verständnis des reformierten Bekenntnisses
2. Bekenntnisse aus dem Gebiet der deutsch-schweizerischen Reformation
3. Bekenntnisse aus der calvinischen Reformation
4. Bekenntnisse aus deutschen Gebieten
5. Bekenntnisse aus West- und Nordwesteuropa
6. Bekenntnisse aus Ost- und Südosteuropa
7. Die Bekenntnisbildung vom 18. bis zum 20. Jahrhundert
 

3. Bekenntnisse aus der calvinischen Reformation

Nachdem Johannes Calvin 1536 nach Genf, das als freie Stadt nicht zur Eidgenossenschaft zählte, gekommen war (vgl. dazu Lektion 3), verfasste er noch im selben Jahr den ersten Genfer Katechismus. Der Katechismus ist im wesentlichen ein Auszug aus der 1536 erschienenen ersten Ausgabe von Calvins Institutio Christianae Religionis (Unterricht in der christlichen Gottesverehrung). Das Genfer Bekenntnis von 1537, das lange Zeit auch als von Johannes Calvin verfasst galt, ist nach neueren Forschungen von Wilhelm Farel verfasst, der Calvin nach Genf geholt hatte. Das Genfer Bekenntnis diente in 21 Artikeln zur Grundlage der reformierten Lehre in Genf; die (männlichen) Bürger hatten vergleichbar mit dem Basler Vorgehen diesem Bekenntnis auf Beschluss des Rates von 1537 zuzustimmen. Allerdings führte diese Zustimmungspflicht auch zur Verärgerung in Genf.

Stich Genf

Calvin wurde 1538 aus Genf vertrieben und 1541 wieder zurückgeholt, um den Aufbau der Reformation zu vollenden. Im Jahre 1542 ersetzte Calvin seinen ersten Genfer Katechismus von 1536 durch den französischen Genfer Katechismus von 1542, der 1545 auch in lateinischer Sprache erschien. In 55 Abschnitten und 373 Fragen und Antworten ist er vor allem auf den Jugendunterricht zugeschnitten, diente aber auch darüber hinaus zur Zusammenfassung der in Genf geltenden reformierten Lehre. Der Katechismus von 1542/1545 wurde zum entscheidenden Katechismus der französischsprachigen reformierten Gemeinden; er wurde in verschiedene Sprachen übersetzt und ist auch ein Vorbild für den Heidelberger Katechismus gewesen. In Genf blieb der Katechismus bis zum Jahre 1788 in Gebrauch.

Aus Calvins Genfer Katechismus von 1542 / 1545

96. In welchem Sinn nennst du die Kirche „heilig“?
Weil Gott die von ihm Erwählten rechtfertigt und zur Heiligkeit und Unschuld des Lebens neugestaltet, damit in ihnen seine Herrlichkeit aufleuchte. Das wollte auch Paulus mit der Feststellung sagen, Christus habe die von ihm erlöste Kirche geheiligt, damit sie strahlend rein von jedem Makel sei (Röm 8,30; Eph 5,25-27).
97. Was soll die Bezeichnung „allumfassend“ oder „allgemein“?
Damit lehren wir: So wie es nur ein Haupt der Gläubigen gibt, so müssen sie alle in einen Leib zusammenwachsen, damit es eine Kirche sei, die über den ganzen Erdkreis ausgebreitet ist und nicht viele.
98. Wozu wird nun noch beigefügt: „Gemeinschaft der Heiligen“?
Das soll verdeutlichen, daß unter den Gliedern der Kirche Einheit besteht. Es weist auch darauf hin: Was Gott der Kirche an Wohltaten spendet, soll allen gemeinsam zugute kommen, da sie alle untereinander Gemeinschaft haben.
99. Ist denn diese Heiligkeit, die du der Kirche zuschreibst, schon vollkommen?
Noch nicht, weil sie eben noch in dieser Welt kämpft. Sie leidet immer unter Schwächen, und ist nie ganz von verbleibenden Übeln gereinigt, bis sie Christus, ihrem Haupt, von welchem sie geheiligt wird, vollkommen anhängt.

***

Fragen zur Weiterarbeit

1. Auch Calvin legt im Abschnitt über die Kirche das apostolische Glaubensbekenntnis aus. Was fällt Ihnen bei der Formulierung in Abschnitt 97 auf (auch im Unterschied zu den Berner Thesen von 1528)?

2. Inwiefern ist es Calvin wichtig, der Kirche das Attribut „heilig“ zukommen zu lassen?

3. Nach Calvin ist lt. Absatz 98 das Ziel der göttlichen Wohltaten (und das heißt wohl auch: der Gaben, Talente, die in der Gemeinde vorhanden sind) die Gemeinschaft untereinander. Was könnte das heißen?

 

Die evangelischen Gemeinden in Frankreich waren in den ersten Jahren ihres Bestehens nicht zentral organisiert und hatten auch keine gemeinsame Lehrgrundlage. Als 1558 Streit um die Erwählungslehre aufkam, entstand der Wunsch nach einem gemeinsamen Bekenntnis. Auf der heimlichen Nationalsynode in Paris 1559, zu der Abgeordnete aus 50 Gemeinden versammelt waren, wurde der vor allem auf Calvin zurückgehende Text der Confessio Gallicana (Confession de foy) und der damit zusammenhängenden Kirchenordnung (Discipline ecclésiastique) verabschiedet; 1569 wurde das Bekenntnis auf der Synode von La Rochelle bestätig; deshalb heißt es auch zuweilen „Bekenntnis von La Rochelle“ oder auch „Französisches Bekenntnis“. Die Confessio Gallicana hat in Frankreich und nach der Flucht der Hugenotten auch in weiteren Teilen Europas großen Einfluss gehabt.

 

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